... das vergangene Jahr war im Norden Tansanias eines der trockensten seit
langem. Der Norden Tansanias, das ist die Region um den Kilimanjaro und das
sind die Weiten der Serengeti und des ostafrikanischen Grabenbruchs, wo die
Wiege der Menschheit steht.
Liebe KÄfA-Mitglieder,
das vergangene Jahr war im Norden Tansanias eines der trockensten seit
langem. Der Norden Tansanias, das ist die Region um den Kilimanjaro und das
sind die Weiten der Serengeti und des ostafrikanischen Grabenbruchs, wo die
Wiege der Menschheit steht. Nach der langen Trockenzeit, die im Juni
beginnt, waren die Regenfälle im September völlig ausgeblieben. Am
Kilimanjaro führte diese Trockenheit dazu, dass vor allem in den unteren
Lagen des Berges die Maisfelder vertrockneten und mit ihnen das Vieh
verendete. Als ich zusammen mit Mitgliedern des KÄfA im vergangenen Oktober
die Ostkilimanjaro-Region besuchte, hatte der Hunger die Dörfer erreicht.
Es war eindrucksvoll zu sehen, dass die Menschen angesichts der Not dennoch
ihre Ruhe und Fröhlichkeit nicht verloren.
Viel zu spät kam der große
Regen dann zum Ende des Jahres doch noch. Und mit dem Regen sind auch die
Tiere der Serengeti – so wie jedes Jahr seit Urzeiten – in den
Ngorongoro-Krater gekommen, um dort ihre Jungen zur Welt zur bringen. Dort
leben sie jetzt in einer Welt des Überflusses. Noch bis Juni, denn dann
beginnt für sie wieder die große Reise nach Norden zum Maasai Mara, dem
Fluss, der den riesigen Herden der Weißschwanzgnus, Zebras, Wasserbüffel
und Antilopen dann noch Wasser und Nahrung bietet. Und wir hoffen, dass die
Bemühungen des WWF erfolgreich sein werden, die Austrocknung des Maasai
Mara zu verhindern. Und für die Menschen am Kilimanjaro hoffen wir, dass
der Regen dieses Jahr im September wieder kommen wird.
Ich habe mir vorgenommen, Ihnen als KÄfA-Mitgliedern unsere
Projekteinrichtungen in der Kilimanjaro-Region in den kommenden Newslettern
ein wenig näher zu bringen. Dieser Newsletter wird sich deshalb im
wesentlichen mit dem Krankenhaus in Marangu beschäftigen, das mit Geldern
des KÄfA seit diesem Jahr unterstützt wird. Zusätzlich zu Vorstellung der
Einrichtungen werde ich Ihnen jeweils einen geografischen Überblick über
die Projektregion sowie den Bezug der jeweiligen Einrichtung zur Hierarchie
und zur Gesamtstruktur des tansanischen Gesundheitswesens vermitteln. Auf
diesem Wege soll erreicht werden, dass sie die Einrichtungen kennen lernen
und so eine stärkere Beziehung zur Arbeit des KÄfA entwickeln können.
Am 21. April wird unsere diesjährige Mitgliedersammlung stattfinden.
Hierzu möchte ich Sie um 19 Uhr ganz herzlich in das Gemeindehaus der
Kirche in Heikendorf, Neuheikendorfer Weg 4, einladen. Die Einladung
inklusive Wegbeschreibung und Tagesordnung finden Sie nachstehend.
Wir
beginnen mit dem offiziellen Teil der Mitgliederversammlung um 19 Uhr.
Um 20 Uhr möchte ich zu einem Bildervortrag „Kieler Ärzte in Afrika
– Impressionen, Einsichten und Aussichten“ einladen.
Dieser Vortrag
ist öffentlich, und ich würde mich freuen, wenn Sie hierfür Werbung machten
bei Kollegen, Freunden und Verwandten. Der Eintritt ist frei, über Spenden
freuen wir uns natürlich sehr. Abschließend darf ich noch darauf aufmerksam
machen, dass im Rahmen unserer Mitgliederversammlung in diesem Jahr die
Neuwahl des Vorstands ansteht.
So, nun wünsche ich Ihnen viel
Freude beim Lesen und freue mich auf das Treffen mit Ihnen allen am 21.
April in Heikendorf.
Ihr
Martin Völckers
Für die, die sich diesen Newsletter ausdrucken möchten:
PDF-Download-Newsletter-KÄfA I-2010
PDF-Download
Einladung Jahreshauptversammlung
PDF-Download Einladung Tagesordnung Jahreshauptversammlung
PDF-Download Einladung Diavortrag
Inhalt Newsletter:
1. Aufbau des
Gesundheitswesens in Tansania
2. Die KÄfA-Projektregion und unsere
Partnereinrichtungen
3. Vorstellung: Das Marangu Lutheran Hospital
- Aufbau des Gesundheitswesens in Tansania
Das Gesundheitswesen in Tansania unterscheidet 4 Hierarchiestufen:
-
Distriktkrankenhaus
- Regionalkrankenhaus
- Gesundheitszentrum
- Dispensary

Die
insgesamt 4 Distrikt-Krankenhäuser in Tansania sind die medizinischen
Zentren des Landes, die gleichzeitig als universitäre Ausbildungsstätten
fungieren. Eines der 4 Distrikt-Krankenhäuser ist das KCMC in Moshi, mit
dem der KÄfA enge Kontakte hält. Es ist für den gesamten Nordosten
Tansanias mit einem Einzugsbereich von ca. 15 Millionen Menschen
zuständig.
Die Regionalkrankenhäuser stellen die dezentrale
Krankenhausversorgung in der Fläche sicher. Die meisten haben einen
kirchlichen Träger (katholische oder evangelische Kirche), andere sind
staatlich getragene Häuser. Die Finanzierung erfolgt asymmetrisch: Die
staatlichen Häuser werden von der Regierung direkt finanziert, die
konfessionellen Häuser erhalten überwiegend keine staatliche Unterstützung
und sind dadurch in aller Regel vollkommen unterfinanziert.
Das
Regionalkrankenhaus in der Ost-Kilimanjaro-Region ist das Marangu-Hospital,
das in diesem Newsletter vorgestellt wird. Das Marangu-Hospital gehört als
konfessionelles Haus zum ELCT-ND (nördliche Diözese der evangelischen
Kirche in Tansania), der vom Bischoff Shao vertreten wird.
Gesundheitszentren sind Einrichtungen, die grundsätzlich staatliche
Unterstützung erhalten. Sie stellen – zusammen mit den Dispensaries, von
denen sie sich häufig nicht unterscheiden – die wohnortnahe ambulante
Versorgung der Bevölkerung sicher. Um den Status eines Gesundheitszentrums
zu erreichen, muss eine Dispensary bestimmte infrastrukturelle
Anforderungen erfüllen. Letztlich kann sich der tansanische Staat jedoch
nur eine sehr begrenzte Anzahl von Gesundheitszentren leisten – insofern
deckt die Dichte der Gesundheitszentren in Tansania bei weitem nicht den
Bedarf an wohnortnaher medizinischer Versorgung ab. Die Gesundheitszentren
haben in der Bevölkerung häufig keinen guten Ruf, weil auch sie in aller
Regel unterfinanziert sind und die medizinische Versorgung dadurch häufig
schlecht ist.
Um den Bedarf an Gesundheitsversorgung in der
Fläche annähernd zu decken, existiert eine sehr große Zahl an Dispensaries,
die keine Mindestanforderungen erfüllen müssen. In der Wirklichkeit
bedeutet das, dass Dispensaries häufig nur „Bretterbuden“ sind, in denen so
gut wie gar keine medizinische Versorgung möglich ist. Dennoch findet über
die Dispensaries der allergrößte Teil der Gesundheitsversorgung Tansanias
statt. In der Ost-Kilimanjaro-Region gibt es 4 Dispensaries, mit denen der
KÄfA derzeit zusammenarbeitet bzw. zukünftig zusammenarbeite möchte. Diese
werden in den nächsten Newslettern ebenfalls einzeln vorgestellt.
- Die KÄfA-Projektregion und unsere
Partnereinrichtungen
Für die Nördliche Diözese der
evangelischen Kirche Tansanias (ELCT-ND) ergibt sich folgendes Organigramm
an medizinischen Einrichtungen:

Das KCMC
Moshi ist eines der 4 Distrikt-Krankenhäuser Tansanias mit derzeit 60
Ärzten, zuständig für einen Einzugsbereich von ca. 15 Millionen Menschen.
Allerdings können sich die meisten Menschen eine Behandlung im KCMC bzw.
eine Reise dorthin finanziell nicht leisten. Das KCMC in Moshi hat eine
faszinierende Geschichte, die vor allem geprägt ist von Prof. Dr. Otto
Walter, einem deutschen Arzt und Wissenschaftler, der 15 Jahre seines
Lebens in Ostafrika gearbeitet und das KCMC vor 50 Jahren aufgebaut hat.
Leider ist in der Gegenwart die medizinische Versorgung auch hier
hoffnungslos unterfinanziert, so dass dieses Krankenhaus vor gewaltigen
Aufgaben steht. Über das KCMC und seine Geschichte wird in den kommenden
Newsletter noch Vieles zu lesen sein.
Das Regionalkrankenhaus
des ELCT ND in der Ost-Kilimanjaro-Region ist das Krankenhaus in Marangu.
Dort soll - im Optimalfall – die wohnortnahe Krankenhausversorgung für die
Ost-Kilimanjaro-Region stattfinden. Der Einzugsbereich umfasst ca. 200 Tsd.
Menschen. Zum Marangu-Hospital haben wir mit dem KÄfA seit gut 1 Jahr enge
partnerschaftliche Verbindungen und zu Beginn dieses Jahres haben wir mit
der gezielten finanziellen Unterstützung begonnen. Lesen hierzu weiter
unten mehr.
Es gibt in der Ost-Kilimanjaro-Region vier Dispensaries,
zu denen wir als KÄfA bereits engen Kontakt haben, und die von uns
regelmäßig besucht werden. Darunter befindet sich die Dispensary in Uuwo,
eine der größten und qualitativ hochwertigsten Dispensaries am Kilimanjaro
überhaupt. Hier begann vor 2 Jahren die Arbeit des KÄfA mit der konkreten
Finanzierung von Planstellen bzw. von definierten Gesundheitsprojekten.
Aber sowohl in Uuwo als auch vor allem in den Dispensaries in Shokoni, Lole
und Ucira steht noch viel Aufbauarbeit an. Die einzelnen Dispensaries
werden Ihnen in den kommenden Newslettern ebenfalls vorgestellt.

Abb: Die Hänge des Ost-Kilimanjaro (der Gipfel ist oben rechts zu
erkennen) mit den Orten,
in denen der KÄfA Partnereinrichtungen hat
(Info: Uuwo ist ein Ortsteil von Mrimbo)
- Vorstellung: Das Marangu Lutheran Hospital
Marangu ist einer der touristisch bekanntesten Orte am Kilimanjaro. Dort
befindet sich einer der Ausgangspunkte für die Tracks zur Besteigung des
Berggipfels auf knapp 6.000m Höhe, das sogenannte „Marangu-Gate“. Marangu
selber liegt auf ca. 1.500m Höhe inmitten einer tropischen Vegetation und
gehört zu den größeren Städten am Kilimanjaro. Das Krankenhaus ist ein sehr
schöner Pavillon-Bau. Die Pavillons liegen auf einem großzügigen Areal
verteilt und sind über z.T. überdachte Wege miteinander verbunden. Zur
Klinik gehören darüber hinaus diverse Unterkünfte für die Mitarbeiterinnen
und Mitarbeiter; die Unterbringung des Personals in klinikeigenen
„Staff-Houses“ ist in Tansania üblich bzw. erforderlich.

Abb:
Pavillon-Bau mit überdachten Wegen
Das Marangu-Hospital wurde im
Jahr 1907 von deutschen Missionaren als Dispensary eröffnet. Im Jahr 1947
wurde es dann erweitert zu einem Krankenhaus mit 30 Betten und 1989, nach
einer gründlichen Renovierung mit Hilfe von Geldern der evangelischen
Kirche, wuchs es dann zu dem heutigen 80-Betten-Haus an. Der Einzugsbereich
umfasst die Gemeinden Marangu, Mamba, Mwika und Kilema mit insgesamt ca.
200 Tsd. Menschen. Das Krankenhaus wird geleitet von Frau Dr. Haikaeli
Uiso, einer Kinderärztin. Sie ist die einzige Mitarbeiterin in Marangu, die
ein ärztliches Studium hat und damit ist sie gleichzeitig die einzige
studierte Ärztin in der gesamten medizinischen Versorgung von 200.000
Menschen am Ost-Kilimanjaro!

Abb: Dr. Haikaeli Uiso, Kinderärztin, Leiterin in
Marangu, zusammen mit (von links) Dr. Martin Völckers, Prof. Dr. Johann
Roider, Prof. Dr. Ulrich Kunzendorf
Das
Abteilungs-Organigramm von Marangu umfasst neben der Leitung die
Bereiche
1. Services
2. Verwaltung
3. Pflege
4.
Ärztliche Versorgung

Die Leitung der
ärztlichen Versorgung obliegt Herrn Dr. John Lauwo. Er ist ein sog.
Assistent Medical Officer (AMO). In Tansania gibt es neben den studierten
Ärzten in der ärztlichen Versorgung noch die AMO‘s sowie die CO‘s (Clinical
Officer). Hierbei handelt es sich um medizinische Ausbildungsberufe, die
nicht einem vollen Medizinstudium entsprechen. Ein CO hat eine Ausbildung
von 3 Jahren an einem Krankenhaus absolviert und stellt damit die unterste
Stufe der ärztlichen Versorgung in Tansania dar. Ein AMO hat eine 5-jährige
medizinische Ausbildung an einem Krankenhaus absolviert. AMO‘s und CO‘s
sind der eigentliche Backbone der medizinische Versorgung in Tansania. Herr
Dr. Lauwo führt z.B. als AMO auch kleinere operative Eingriffe wie
Kaiserschnitte oder Appendektomien in Marangu durch.

Abb: Dr.
John Lauwo und Dr. Martin Völckers im Marangu-OP
Das
Marangu Lutheran Hospital erhält als konfessionelles Haus so gut wie keine
finanzielle Unterstützung durch die Tansanische Regierung. Insofern ist das
Haus chronisch unterfinanziert. Es ist vor allem dem Hamburger Verein
„Förderverein Marangu e.V.“ um Frau Ursula Lodenkämper zu verdanken, dass
der Gebäudecorpus von Marangu sich nach wie vor in einem guten Zustand
befindet (Anm.: zum „Förderverein Marangu e.V.“ bestehen vom KÄfA e.V. aus
enge Kontakte).
Das große Problem in Marangu ist jedoch, dass Ärzte
für die gynäkologisch-geburtshilfliche und die operative Medizin fehlen.
Der Grund dafür ist schlicht fehlendes Geld. Der KÄfA e.V. hat deshalb
jetzt mit einem Finanzierungsprogramm begonnen, das es ermöglicht einen
studierten Chirurgen am Marangu Lutheran Hospital anzustellen. Ein solcher
Chirurg bekommt in Tansania ein monatliches Gehalt von 775,- Euro. Der KÄfA
e.V. übernimmt seit März 550,- Euro von diesem Gehalt, den Rest von einem
Drittel des Gesamtgehaltes wird vom kirchlichen Träger bezahlt. Ein
entsprechender Vertrag zwischen dem Marangu Lutheran Hospital und dem KÄfA
wurde zunächst bis Ende 2011 abgeschlossen. In diesem Zeitraum muss sich
zeigen, ob die Investition Früchte trägt. Spätestens nach dem geplanten
Besuch des KÄfA in Marangu im Herbst 2011 wird dann über eine Fortsetzung
der Finanzierung entschieden.
Den Vertrag inklusive Anschreiben
aus Marangu finden Sie hier:
PDF-Download
(Vertrag Marangu Hospital)