Aktuelles

01.01.2010

KÄfA-Newsletter IV-2009

Das Jahr 2009 geht zu Ende. Zeit, um die Ereignisse des Jahres Revue passieren zu lassen.

Liebe KÄfA-Mitglieder,

das Jahr 2009 geht zu Ende. Zeit, um die Ereignisse des Jahres Revue passieren zu lassen. Globalpolitisch hat 2009 viel Licht aber auch Schatten gebracht. Sicherlich ist das erneute Scheitern einer international verbindlichen CO2-Emissionsvereinbarung in Kopenhagen das dunkelste Kapitel in diesem Jahr, aber der Weg zu einer gerechten und nachhaltigen Lebensweise aller Menschen auf unserer Erde ist weit und steinig – und es muss bezweifelt werden, dass er politisch überhaupt gegangen werden kann. Armutssituation, Nord-Süd-Verteilungsfragen, Migration, Terror, Kriege, kulturelle Konflikte und Umweltkatastrophen sind Probleme, die unter den Bedingungen einer weitgehend ungeregelten Globalisierung weder national noch international gelöst werden können. Wir brauchen stattdessen ein verbessertes und verbindliches globales Rahmenwerk für die Weltwirtschaft, das die ökonomischen Prozesse mit Umwelt, Gesellschaft und Kultur in Einklang bringt. Und diese Forderung kann nicht von der Politik kommen, die ja immer nur ein Spiegelbild der Gesellschaft ist. Sie muss vielmehr „von unten“ aus der Zivilgesellschaft entstehen. Sie entsteht bei jedem Einzelnen von uns…

Mit unserem Verein „Kieler Ärzte für Afrika e.V.“ haben wir unsere Stimme für eine gerechte Welt erhoben! Im bedanke mich bei Ihnen allen für Ihre Unterstützung in diesem Jahr und wünsche Ihnen einen besinnlichen Jahresausklang und einen guten Start ins neue Jahrzehnt!

Ihr Martin Völckers

PS: Für die, die sich diesen Newsletter ausdrucken möchten: PDF-Download KÄfA-Newsletter 2099 IV

  1. Reisebericht der KÄfA-Reise vom 4.-18. Okt. 2009 nach Tansania
  2. Stadt Kiel baut offizielle Städte-Partnerschaft zum Distrikt Ost-Kilimanjaro auf
  3. KÄfA-Planung 2010
  1. Reisebericht der KÄfA-Reise vom 4.-18. Okt. 2009 nach Tansania
    Die diesjährige Reisegruppe des KÄfA bestand aus insgesamt 11 Mitgliedern: Prof. Dr. Johann Roider, Chef der Augenklinik am UKSH, Prof. Dr. Ulrich Kunzendorf, Chef der Klinik für Nephrologie am UKSH, Dr. Hermann Abts und Dr. Martin Völckers – jeweils mit Familie sowie Herr Dr. Michael Piert, Zahnarzt aus Flintbek. Die 2-wöchige Reisezeit war aufgeteilt in 3 Abschnitte. Der erste Abschnitt galt einem Besuch des „Kilimanjaro Christian Medical Center“ (KCMC) in Moshi. Das KCMC und das UKSH haben durch den KÄfA e.V. vermittelt im Jahr 2008 eine Partnerschaft begonnen, die durch den diesjährigen Besuch jetzt intensiviert werden soll.

    1. Reiseabschnitt
    Während der 4 Tage, in denen wir Gelegenheit hatten, im Klinikbetrieb mitzuarbeiten, haben wir einen guten Einblick in die Verhältnisse am KCMC gewonnen:
    Das KCMC ist mit seinen 60 Ärzten eines der 4 großen Krankenhäuser in Tansania. Zum Einzugsbereich gehört der gesamte Nordosten des Landes mit ca. 15 Mio. Einwohnern. Die Tatsache, dass das KCMC nur relativ mäßig belegt ist, zeigt, dass die meisten Menschen das Krankenhaus aus finanziellen oder logistischen Gründen überhaupt nicht erreichen. Es ist davon auszugehen, dass im KCMC überwiegend nur die Menschen behandelt werden, die es sich mit der Hilfe ihrer Familie überhaupt leisten können.
    Das Leistungsspektrum des KCMC umfasst alle gängigen klinischen Fachrichtungen, wobei eine Subspezialisierung innerhalb der klinischen Fächer nur gering oder überhaupt nicht ausgeprägt ist. Das Laborspektrum umfasst nur die wichtigsten Bestimmungsmöglichkeiten. Die Pathologie musste vor Kurzem vollständig geschlossen werden. Die Radiologie wird von einem 83-jährigen Radiologen aus Deutschland geleitet.
    Eine Ausnahme von diesen stark eingeschränkten Möglichkeiten macht die Augenklinik, die von einem schottischen Ophthalmologen auf höchstem Niveau geleitet wird. Mit Hilfe großer Mengen internationaler Gelder über das WHO-Programm „Vision 2020 – The Right to Sight“, einer Initiative, die vermeidbare Blindheit bis zum Jahre 2020 zu überwinden versucht, wurde am KCMC ein hochmoderner Augen-OP zur Verfügung gestellt, der seinesgleichen selbst in Deutschland sucht.
    Der Ausbildungsstand der Ärzteschaft gehört zu den größten Problemen am KCMC. Gerade vor dem Hintergrund der sehr stark eingeschränkten diagnostischen Möglichkeiten wäre ein hoher klinischer Ausbildungsstand dringend erforderlich. Die leitenden Ärzte haben ihre Ausbildung überwiegend im europäischen Ausland gemacht, ein großer Teil in der ehemaligen DDR. Zwischen dieser relativ gut ausgebildeten Leitungsebene und den sogenannten „Residents“ (Weiterbildungsärzte) existiert allerdings kein Mittelbau von gut ausgebildeten Oberärzten, so dass zu wenig Ausbildung am Patienten selbst stattfindet. So entsteht Frustration in der Leitungsebene durch die übermäßige Beanspruchung und bei den jungen Ärzten durch die Überforderung und fehlende Anleitung. Durch den fehlenden oberärztlichen Mittelbau sind alle Fachbereiche außerdem ständig bedroht, mit dem Weggang des Chefarztes ihre gesamte Kompetenz zu verlieren. Mit der Frage konfrontiert, worin das persönliche Ziel der jungen Ärzte am KCMC liegt, scheinen viele das KCMC für sich nur als ein Sprungbrett ins Ausland zu betrachten.
    Das KCMC pflegt eine relativ große Zahl internationaler Partnerschaften zu Universitäten in Europa und Amerika. Die wichtigste Partnerschaft besteht zur Duke-University in North Carolina (USA). Bei näherer Betrachtung stellt sich allerdings heraus, dass sich alle internationalen Partnerschaften nur auf Forschungsthemen (z.B. HIV-Forschung) beziehen. Hilfe im Rahmen der Entwicklung und Ausstattung in der klinischen Versorgung findet nicht statt. Aus Sicht der internationalen Partneruniversitäten geht es also nicht um Hilfsaktivitäten sondern um die Möglichkeit, Daten für die eigene Forschung zu sammeln.
    Die Gebäude und Räume im Bereich der Patientenversorgung (Ambulanzen, Stationen, OPs, etc.) sind überwiegend in einem mäßigen oder auch schlechten Zustand. Überall ist großer Renovierungsbedarf. Es fehlt angesichts der schweren, oft infektiösen Erkrankungen an intensivmedizinischen bzw. an Isolationsmöglichkeiten. Man hat den Eindruck, dass die modernen Forschungseinrichtungen, die mit Geldern der internationalen Partneruniversitäten eingerichtet wurden, in einem schwer erträglichen Kontrast zu den heruntergekommenen Patientenversorgungsbereichen stehen.
    Unsere Delegation wurde von der gesamten Klinikleitung des KCMC mit allen Ehren empfangen. Es wurde uns große Gastfreundschaft entgegengebracht. Die Vorlesungen, die Herr Prof. Roider und Herr Prof. Kunzendorf während der vier Tage hielten, wurden gerade von den jungen Ärzten mit Begeisterung verfolgt. Im Rahmen der Sitzungen zusammen mit der Klinikleitung hatten wir reichlich Gelegenheit, um über mögliche Kooperationsansätze zwischen dem UKSH und dem KÄfA einerseits und dem KCMC und der Region Ost-Kilimanjaro andererseits zu diskutieren. Im Rahmen der Abschlusssitzung wurden folgende Projektansätze besprochen:

    Im Rahmen der Partnerschaft zwischen UKSH und KCMC:
    • Intensivierung der Zusammenarbeit zwischen der Augenklinik des UKSH Campus Kiel und der Augenklinik des KCMC Moshi mit besonderem Focus auf Schulung vor Ort
    • Ausbildung eines jungen internistischen Arztes vom KCMC in Kiel mit dem Schwerpunkt Nephrologie

    Im Rahmen des KÄfA
    • Entwicklung eines Modelprojektes in der Region Ost-Kilimanjaro in Zusammenarbeit zwischen den Dispensaries, dem Krankenhaus in Marangu und der gynäkologischen Abteilung des KCMC unter der Leitung des gynäkologischen Chefarztes Dr. Oneko zur Einführung eines niedrigschwelligen gynäkologischen Präventionsprogramms zur Vermeidung von Cervixkarzinomen und schweren Anämien

    Die Projektansätze sollen bilateral ausgearbeitet werden. Die nächste Abstimmung erfolgt im Rahmen des Besuches des stellvertretenden Direktors des KCMC, Herrn Dr. M. Swai, in Deutschland Ende Januar.

    Abschlussfoto mit der Klinikleitung und den Chefärzten des KCMC vor
dem Haupteingang
    Abschlussfoto mit der Klinikleitung und den Chefärzten des KCMC vor dem Haupteingang

    2. Reiseabschnitt
    In den folgenden 3 Tagen führte uns die Reise in die KÄfA-Projektregion am Kilimanjaro. Die erste Dispensary, die wir besuchten, lag in Ucira, einem äußert armen Dorf am Fuße des Kilimanjaro. Das Dorf Ucira unterhält seit 2007 eine Kirchengemeindepartnerschaft mit Schönkirchen. Die Dispensary von Ucira wird von einem liebenswerten 65-jährigen Daktari am Leben erhalten. Die Dispensary ist so arm, dass die ärmlichen Gehälter – wenn überhaupt – nur unregelmäßig bezahlt werden können. Hier in Ucira fehlt es an allem, und trotzdem arbeiten die wenigen Mitarbeiter in der Dispensary aufopferungsvoll und fröhlich, um zu helfen, wo sie eben können.

    Der
Daktari von Ucira

    Der Daktari von Ucira

    Anschließend ging die Reise weiter zum Krankenhaus in Marangu, wo bereits im Jahr 2008 Mitglieder des KÄfA für eine kurze Zeit gearbeitet hatten. Das wunderschöne Krankenhaus auf 1.500m Höhe am Kilimanjaro gelegen, leidet ebenfalls unter schwersten finanziellen Nöten. Es fehlt vor allem ein Chirurg, damit ein geregelter OP-Betrieb aufrecht erhalten werden kann. Seit Jahren kann in Marangu nur dann phasenweise operiert werden, wenn ausländische Ärzte für Gastaufenthalte in Marangu sind.

    Geschenk für Marangu

    Als Geschenk für Marangu hatten Herr und Frau Roider große Mengen gebrauchter Brillen von Kieler Optikern gesammelt, die hier an die leitende Ärztin von Marangu übergeben werden

    Die nächste Station der Reise war Uuwo, ebenfalls auf 1.500m Höhe am Kilimanjaro, wo wir für 3 Nächte privat untergebracht waren. Die Dispensary von Uuwo wird vom KÄfA seit 2 Jahren finanziell kräftig unterstützt. Wir fanden die Dispensary in einem hervorragenden Zustand und bei vollem Betrieb vor. Auch in den Gesprächen mit den Verantwortlichen vor Ort zeigte sich, dass die Maßnahmen, die in den vergangenen Jahren in Abstimmung mit Uuwo auf den Weg gebracht wurden, Erfolg haben.
    Während der 3 Tage in Uuwo konnten wir vollkommen in das Leben der Menschen in Afrika eintauchen. Dabei waren wir wieder einmal überwältigt von der Gastfreundschaft und der Fröhlich-keit der Menschen, auch wenn die Sorgen wie Trockenheit, Armut und Hunger erdrückend sind.

    Die
Uuwo-Dispensary auf 1.500m Höhe am Kilimanjaro mitten in den
Bananenplantagen

    Die Uuwo-Dispensary auf 1.500m Höhe am Kilimanjaro mitten in den Bananenplantagen

    Von Uuwo aus besuchten wir die Dispensary der Nachbargemeinde Shokoni, die eine Kirchengemeindepartnerschaft zu Kiel-Heiligengeist unterhält. Die dortige, mit Kieler Geldern neu gebaute Dispensary, machte auf uns einen sehr geordneten und gut funktionierenden Eindruck. Shokoni ist es gelungen, an 2 Tagen in der Woche einen Daktari vor Ort zu haben, der den Betrieb aufrecht erhält. Hier wäre es aber sehr wünschenwert, diese Präsenz auf die ganze Woche auszudehnen.

    Prof. Kunzendorf

    Prof. Kunzendorf lässt sich die Möglichkeiten der Labordiagnostik in der Dispensary von Shokoni demonstrieren

    3. Reiseabschnitt
    Der letzte Abschnitt der Reise führte uns dann auf ein 5-tägige Safari zum Lake Natron, durch die Serengeti und den Ngorongoro-Krater. Die Reise war organisiert von einem unserer Freunde und Ansprechpartner in Uuwo, Gilbert Towo. In 2 alten Landrovern ging es hunderte Kilometer durch eine der wildesten und schönsten Landschaften unserer Erde. Der Lake Natron mit seinen Millionen von Flamingos oder die Serengeti mit ihrer einmaligen Tierwelt sind einmalige Naturschauspiele. Hier stand vor Millionen von Jahren die Wiege der Menschheit, wie Ausgrabungen am Oldupai Gorge zeigen, die wir – unweit des Ngoronogokraters – besuchten.

    Gruppenbild am Ausgang der Serengeti mit unseren Fahrern Massai (li)
und Simon (re) und Gilbert Towo in der Mitte

    Gruppenbild am Ausgang der Serengeti mit unseren Fahrern Massai (li) und Simon (re) und Gilbert Towo in der Mitte

    Abschließend lässt sich sagen, dass die Reise ein voller Erfolg war im Sinne der Arbeit des KÄfA e.V., aber auch ein Erlebnis der besonderen Art für jeden von uns, der mitgefahren ist. Es ist wichtig, Afrika kennen zu lernen, wenn man die Probleme dieses Kontinents verstehen möchte. Der Weg in eine bessere Zukunft für diesen Kontinent kann nur über ein wirkliche Partnerschaft und Freundschaft zwischen den Menschen hier und dort führen. Und dafür ist der Austausch so wichtig.
    Auch im kommenden Jahr 2010 wird es wieder eine Reisegruppe nach Tansania geben (siehe unten), dann unter der Leitung von Dr. Stefan Völckers. Ich kann Sie alle nur ermutigen, diese einmalige Gelegenheit, Land und Leute kenne zu lernen, irgendwann einmal zu ergreifen.

    Ein kleiner Hinweis zum Schluss:
    Nach dem letzten KÄfA-Newsletter war die Frage aufgetaucht, ob die Reisen von KÄfA-Mitgliedern finanziell vom Verein unterstützt werden. Hierzu ist zu sagen, dass die Reisekosten grundsätzlich im vollen Umfange und ohne Ausnahme privat bezahlt werden müssen.

  2. Stadt Kiel baut offizielle Städte-Partnerschaft zum Distrikt Ost-Kilimanjaro auf
    Wie aus der Zeitung zu entnehmen war, ist die Stadt Kiel eine Partnerschaft zum Distrikt Ost-Kilimanjaro – also der Projektregion des KÄfA e.V. eingegangen. Dadurch Es besteht seit Langem bereits eine Partnerschaft zwischen dem Kirchenkreis Kiel und dem Kirchenkreis Ost-Kilimanjaro. Damit verdichten und konzentrieren sich die Bemühungen um eine partnerschaftliche Zusammenarbeit zusehends. Wir erwarten hierdurch als Verein neue Impulse für unsere Arbeit vor Ort.
    Die Stadt Kiel bemüht sich außerdem in den vergangenen Monaten sehr, die einzelnen und nicht zusammenhängenden Hilfsangebote für Afrika, die es in der Region Kiel bereits gibt, zu sichten und zu bündeln. Der KÄfA e.V. ist in diesem Umfeld registriert und durch den 2. Vorsitzenden, Herrn Krieg, hervorragend vertreten. Der Vorstand des KÄfA e.V. begrüßt diese Bemühungen der Stadt Kiel und unterstützt die angestrebte Vernetzung der Hilfeangebote.

  3. KÄfA-Planung 2010

    1) Bitte schon mal notieren:
    Die KÄfA-Jahreshauptversammlung findet im kommenden Jahr am Mittwoch, 21. April 2010 Statt.
    Geplant ist ein offizieller Teil, zu dem alle Vereinsmitglieder eingeladen sind ab 19 Uhr sowie ein inoffizieller Veranstaltungsteil ab 20 Uhr mit buntem Vortragsprogramm, zu dem wir öffentlich einladen möchten.

    Ich würde mich freuen, wenn Sie alle in Ihrem Bekannten- und Verwandtenkreis für diese Abendveranstaltung Werbung machen würden.

    2) Eine der wichtigsten Aufgaben für das Jahr 2010 wird darin bestehen, effektive Spendenwerbung zu betreiben. Der Verein brauch dringend mehr finanzielle Mittel, um in unserer Projektregion helfen zu können. Hierzu wird es zu Beginn des Jahres eine Vorstandssitzung geben, in der wir ein Konzept entwickeln, dass dann über den nächsten Newsletter vorgestellt wird.

    3) Auch im Jahr 2010 wird es wieder eine Reisegruppe nach Tansania geben, dieses Mal unter der Leitung von Herrn Dr. Stefan Völckers. Interessenten für diese Reise sollten sich bei Herrn Völckers per E-Mail melden. Fragen zu einer Afrika-Reise können auch jederzeit gerne an mich gestellt werden.

    Kontakt >>



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