Das Jahr 2009 geht zu Ende. Zeit, um die Ereignisse des Jahres Revue
passieren zu lassen.
Liebe KÄfA-Mitglieder,
das Jahr 2009 geht zu Ende. Zeit, um die Ereignisse des Jahres Revue
passieren zu lassen. Globalpolitisch hat 2009 viel Licht aber auch Schatten
gebracht. Sicherlich ist das erneute Scheitern einer international
verbindlichen CO2-Emissionsvereinbarung in Kopenhagen das dunkelste Kapitel
in diesem Jahr, aber der Weg zu einer gerechten und nachhaltigen
Lebensweise aller Menschen auf unserer Erde ist weit und steinig – und es
muss bezweifelt werden, dass er politisch überhaupt gegangen werden kann.
Armutssituation, Nord-Süd-Verteilungsfragen, Migration, Terror, Kriege,
kulturelle Konflikte und Umweltkatastrophen sind Probleme, die unter den
Bedingungen einer weitgehend ungeregelten Globalisierung weder national
noch international gelöst werden können. Wir brauchen stattdessen ein
verbessertes und verbindliches globales Rahmenwerk für die Weltwirtschaft,
das die ökonomischen Prozesse mit Umwelt, Gesellschaft und Kultur in
Einklang bringt. Und diese Forderung kann nicht von der Politik kommen, die
ja immer nur ein Spiegelbild der Gesellschaft ist. Sie muss vielmehr „von
unten“ aus der Zivilgesellschaft entstehen. Sie entsteht bei jedem
Einzelnen von uns…
Mit unserem Verein „Kieler Ärzte für Afrika e.V.“ haben wir unsere
Stimme für eine gerechte Welt erhoben! Im bedanke mich bei Ihnen allen für
Ihre Unterstützung in diesem Jahr und wünsche Ihnen einen besinnlichen
Jahresausklang und einen guten Start ins neue Jahrzehnt!
Ihr Martin Völckers
PS: Für die, die sich diesen Newsletter ausdrucken möchten:
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KÄfA-Newsletter 2099 IV
- Reisebericht der KÄfA-Reise vom 4.-18. Okt. 2009 nach Tansania
- Stadt Kiel baut offizielle Städte-Partnerschaft zum Distrikt
Ost-Kilimanjaro auf
- KÄfA-Planung 2010
- Reisebericht der KÄfA-Reise vom 4.-18. Okt. 2009 nach
Tansania
Die diesjährige Reisegruppe des KÄfA bestand aus
insgesamt 11 Mitgliedern: Prof. Dr. Johann Roider, Chef der Augenklinik am
UKSH, Prof. Dr. Ulrich Kunzendorf, Chef der Klinik für Nephrologie am UKSH,
Dr. Hermann Abts und Dr. Martin Völckers – jeweils mit Familie sowie Herr
Dr. Michael Piert, Zahnarzt aus Flintbek. Die 2-wöchige Reisezeit war
aufgeteilt in 3 Abschnitte. Der erste Abschnitt galt einem Besuch des
„Kilimanjaro Christian Medical Center“ (KCMC) in Moshi. Das KCMC und das
UKSH haben durch den KÄfA e.V. vermittelt im Jahr 2008 eine Partnerschaft
begonnen, die durch den diesjährigen Besuch jetzt intensiviert werden
soll.
1. Reiseabschnitt
Während der 4
Tage, in denen wir Gelegenheit hatten, im Klinikbetrieb mitzuarbeiten,
haben wir einen guten Einblick in die Verhältnisse am KCMC gewonnen:
Das KCMC ist mit seinen 60 Ärzten eines der 4 großen Krankenhäuser in
Tansania. Zum Einzugsbereich gehört der gesamte Nordosten des Landes mit
ca. 15 Mio. Einwohnern. Die Tatsache, dass das KCMC nur relativ mäßig
belegt ist, zeigt, dass die meisten Menschen das Krankenhaus aus
finanziellen oder logistischen Gründen überhaupt nicht erreichen. Es ist
davon auszugehen, dass im KCMC überwiegend nur die Menschen behandelt
werden, die es sich mit der Hilfe ihrer Familie überhaupt leisten
können.
Das Leistungsspektrum des KCMC umfasst alle gängigen
klinischen Fachrichtungen, wobei eine Subspezialisierung innerhalb der
klinischen Fächer nur gering oder überhaupt nicht ausgeprägt ist. Das
Laborspektrum umfasst nur die wichtigsten Bestimmungsmöglichkeiten. Die
Pathologie musste vor Kurzem vollständig geschlossen werden. Die Radiologie
wird von einem 83-jährigen Radiologen aus Deutschland geleitet.
Eine
Ausnahme von diesen stark eingeschränkten Möglichkeiten macht die
Augenklinik, die von einem schottischen Ophthalmologen auf höchstem Niveau
geleitet wird. Mit Hilfe großer Mengen internationaler Gelder über das
WHO-Programm „Vision 2020 – The Right to Sight“, einer Initiative, die
vermeidbare Blindheit bis zum Jahre 2020 zu überwinden versucht, wurde am
KCMC ein hochmoderner Augen-OP zur Verfügung gestellt, der seinesgleichen
selbst in Deutschland sucht.
Der Ausbildungsstand der Ärzteschaft
gehört zu den größten Problemen am KCMC. Gerade vor dem Hintergrund der
sehr stark eingeschränkten diagnostischen Möglichkeiten wäre ein hoher
klinischer Ausbildungsstand dringend erforderlich. Die leitenden Ärzte
haben ihre Ausbildung überwiegend im europäischen Ausland gemacht, ein
großer Teil in der ehemaligen DDR. Zwischen dieser relativ gut
ausgebildeten Leitungsebene und den sogenannten „Residents“
(Weiterbildungsärzte) existiert allerdings kein Mittelbau von gut
ausgebildeten Oberärzten, so dass zu wenig Ausbildung am Patienten selbst
stattfindet. So entsteht Frustration in der Leitungsebene durch die
übermäßige Beanspruchung und bei den jungen Ärzten durch die Überforderung
und fehlende Anleitung. Durch den fehlenden oberärztlichen Mittelbau sind
alle Fachbereiche außerdem ständig bedroht, mit dem Weggang des Chefarztes
ihre gesamte Kompetenz zu verlieren. Mit der Frage konfrontiert, worin das
persönliche Ziel der jungen Ärzte am KCMC liegt, scheinen viele das KCMC
für sich nur als ein Sprungbrett ins Ausland zu betrachten.
Das KCMC
pflegt eine relativ große Zahl internationaler Partnerschaften zu
Universitäten in Europa und Amerika. Die wichtigste Partnerschaft besteht
zur Duke-University in North Carolina (USA). Bei näherer Betrachtung stellt
sich allerdings heraus, dass sich alle internationalen Partnerschaften nur
auf Forschungsthemen (z.B. HIV-Forschung) beziehen. Hilfe im Rahmen der
Entwicklung und Ausstattung in der klinischen Versorgung findet nicht
statt. Aus Sicht der internationalen Partneruniversitäten geht es also
nicht um Hilfsaktivitäten sondern um die Möglichkeit, Daten für die eigene
Forschung zu sammeln.
Die Gebäude und Räume im Bereich der
Patientenversorgung (Ambulanzen, Stationen, OPs, etc.) sind überwiegend in
einem mäßigen oder auch schlechten Zustand. Überall ist großer
Renovierungsbedarf. Es fehlt angesichts der schweren, oft infektiösen
Erkrankungen an intensivmedizinischen bzw. an Isolationsmöglichkeiten. Man
hat den Eindruck, dass die modernen Forschungseinrichtungen, die mit
Geldern der internationalen Partneruniversitäten eingerichtet wurden, in
einem schwer erträglichen Kontrast zu den heruntergekommenen
Patientenversorgungsbereichen stehen.
Unsere Delegation wurde von der
gesamten Klinikleitung des KCMC mit allen Ehren empfangen. Es wurde uns
große Gastfreundschaft entgegengebracht. Die Vorlesungen, die Herr Prof.
Roider und Herr Prof. Kunzendorf während der vier Tage hielten, wurden
gerade von den jungen Ärzten mit Begeisterung verfolgt. Im Rahmen der
Sitzungen zusammen mit der Klinikleitung hatten wir reichlich Gelegenheit,
um über mögliche Kooperationsansätze zwischen dem UKSH und dem KÄfA
einerseits und dem KCMC und der Region Ost-Kilimanjaro andererseits zu
diskutieren. Im Rahmen der Abschlusssitzung wurden folgende Projektansätze
besprochen:
Im Rahmen der Partnerschaft zwischen UKSH und
KCMC:
- Intensivierung der Zusammenarbeit zwischen der Augenklinik des
UKSH Campus Kiel und der Augenklinik des KCMC Moshi mit besonderem Focus
auf Schulung vor Ort
- Ausbildung eines jungen internistischen Arztes vom KCMC in Kiel
mit dem Schwerpunkt Nephrologie
Im Rahmen des KÄfA
- Entwicklung eines Modelprojektes in der Region Ost-Kilimanjaro
in Zusammenarbeit zwischen den Dispensaries, dem Krankenhaus in Marangu und
der gynäkologischen Abteilung des KCMC unter der Leitung des
gynäkologischen Chefarztes Dr. Oneko zur Einführung eines
niedrigschwelligen gynäkologischen Präventionsprogramms zur Vermeidung von
Cervixkarzinomen und schweren Anämien
Die Projektansätze sollen bilateral ausgearbeitet werden.
Die nächste Abstimmung erfolgt im Rahmen des Besuches des stellvertretenden
Direktors des KCMC, Herrn Dr. M. Swai, in Deutschland Ende Januar.

Abschlussfoto mit der
Klinikleitung und den Chefärzten des KCMC vor dem Haupteingang
2. Reiseabschnitt
In den folgenden 3
Tagen führte uns die Reise in die KÄfA-Projektregion am Kilimanjaro. Die
erste Dispensary, die wir besuchten, lag in Ucira, einem äußert armen Dorf
am Fuße des Kilimanjaro. Das Dorf Ucira unterhält seit 2007 eine
Kirchengemeindepartnerschaft mit Schönkirchen. Die Dispensary von Ucira
wird von einem liebenswerten 65-jährigen Daktari am Leben erhalten. Die
Dispensary ist so arm, dass die ärmlichen Gehälter – wenn überhaupt – nur
unregelmäßig bezahlt werden können. Hier in Ucira fehlt es an allem, und
trotzdem arbeiten die wenigen Mitarbeiter in der Dispensary
aufopferungsvoll und fröhlich, um zu helfen, wo sie eben können.

Der
Daktari von Ucira
Anschließend ging die Reise weiter zum
Krankenhaus in Marangu, wo bereits im Jahr 2008 Mitglieder des KÄfA für
eine kurze Zeit gearbeitet hatten. Das wunderschöne Krankenhaus auf 1.500m
Höhe am Kilimanjaro gelegen, leidet ebenfalls unter schwersten finanziellen
Nöten. Es fehlt vor allem ein Chirurg, damit ein geregelter OP-Betrieb
aufrecht erhalten werden kann. Seit Jahren kann in Marangu nur dann
phasenweise operiert werden, wenn ausländische Ärzte für Gastaufenthalte in
Marangu sind.

Als Geschenk für Marangu hatten Herr und Frau Roider große Mengen
gebrauchter Brillen von Kieler Optikern gesammelt, die hier an die leitende
Ärztin von Marangu übergeben werden
Die nächste Station
der Reise war Uuwo, ebenfalls auf 1.500m Höhe am Kilimanjaro, wo wir für 3
Nächte privat untergebracht waren. Die Dispensary von Uuwo wird vom KÄfA
seit 2 Jahren finanziell kräftig unterstützt. Wir fanden die Dispensary in
einem hervorragenden Zustand und bei vollem Betrieb vor. Auch in den
Gesprächen mit den Verantwortlichen vor Ort zeigte sich, dass die
Maßnahmen, die in den vergangenen Jahren in Abstimmung mit Uuwo auf den Weg
gebracht wurden, Erfolg haben.
Während der 3 Tage in Uuwo konnten wir
vollkommen in das Leben der Menschen in Afrika eintauchen. Dabei waren wir
wieder einmal überwältigt von der Gastfreundschaft und der Fröhlich-keit
der Menschen, auch wenn die Sorgen wie Trockenheit, Armut und Hunger
erdrückend sind.

Die Uuwo-Dispensary auf
1.500m Höhe am Kilimanjaro mitten in den Bananenplantagen
Von Uuwo aus besuchten wir die Dispensary der Nachbargemeinde Shokoni,
die eine Kirchengemeindepartnerschaft zu Kiel-Heiligengeist unterhält. Die
dortige, mit Kieler Geldern neu gebaute Dispensary, machte auf uns einen
sehr geordneten und gut funktionierenden Eindruck. Shokoni ist es gelungen,
an 2 Tagen in der Woche einen Daktari vor Ort zu haben, der den Betrieb
aufrecht erhält. Hier wäre es aber sehr wünschenwert, diese Präsenz auf die
ganze Woche auszudehnen.

Prof.
Kunzendorf lässt sich die Möglichkeiten der Labordiagnostik in der
Dispensary von Shokoni demonstrieren
3.
Reiseabschnitt
Der letzte Abschnitt der Reise führte uns dann
auf ein 5-tägige Safari zum Lake Natron, durch die Serengeti und den
Ngorongoro-Krater. Die Reise war organisiert von einem unserer Freunde und
Ansprechpartner in Uuwo, Gilbert Towo. In 2 alten Landrovern ging es
hunderte Kilometer durch eine der wildesten und schönsten Landschaften
unserer Erde. Der Lake Natron mit seinen Millionen von Flamingos oder die
Serengeti mit ihrer einmaligen Tierwelt sind einmalige Naturschauspiele.
Hier stand vor Millionen von Jahren die Wiege der Menschheit, wie
Ausgrabungen am Oldupai Gorge zeigen, die wir – unweit des Ngoronogokraters
– besuchten.

Gruppenbild am Ausgang der Serengeti
mit unseren Fahrern Massai (li) und Simon (re) und Gilbert Towo in der
Mitte
Abschließend lässt sich sagen, dass die Reise ein
voller Erfolg war im Sinne der Arbeit des KÄfA e.V., aber auch ein Erlebnis
der besonderen Art für jeden von uns, der mitgefahren ist. Es ist wichtig,
Afrika kennen zu lernen, wenn man die Probleme dieses Kontinents verstehen
möchte. Der Weg in eine bessere Zukunft für diesen Kontinent kann nur über
ein wirkliche Partnerschaft und Freundschaft zwischen den Menschen hier und
dort führen. Und dafür ist der Austausch so wichtig.
Auch im
kommenden Jahr 2010 wird es wieder eine Reisegruppe nach Tansania geben
(siehe unten), dann unter der Leitung von Dr. Stefan Völckers. Ich kann Sie
alle nur ermutigen, diese einmalige Gelegenheit, Land und Leute kenne zu
lernen, irgendwann einmal zu ergreifen.
Ein kleiner Hinweis zum
Schluss:
Nach dem letzten KÄfA-Newsletter war die Frage aufgetaucht,
ob die Reisen von KÄfA-Mitgliedern finanziell vom Verein unterstützt
werden. Hierzu ist zu sagen, dass die Reisekosten grundsätzlich im vollen
Umfange und ohne Ausnahme privat bezahlt werden müssen.
- Stadt Kiel baut offizielle Städte-Partnerschaft zum
Distrikt Ost-Kilimanjaro auf
Wie aus der Zeitung zu entnehmen
war, ist die Stadt Kiel eine Partnerschaft zum Distrikt Ost-Kilimanjaro –
also der Projektregion des KÄfA e.V. eingegangen. Dadurch Es besteht seit
Langem bereits eine Partnerschaft zwischen dem Kirchenkreis Kiel und dem
Kirchenkreis Ost-Kilimanjaro. Damit verdichten und konzentrieren sich die
Bemühungen um eine partnerschaftliche Zusammenarbeit zusehends. Wir
erwarten hierdurch als Verein neue Impulse für unsere Arbeit vor Ort.
Die Stadt Kiel bemüht sich außerdem in den vergangenen Monaten sehr, die
einzelnen und nicht zusammenhängenden Hilfsangebote für Afrika, die es in
der Region Kiel bereits gibt, zu sichten und zu bündeln. Der KÄfA e.V. ist
in diesem Umfeld registriert und durch den 2. Vorsitzenden, Herrn Krieg,
hervorragend vertreten. Der Vorstand des KÄfA e.V. begrüßt diese Bemühungen
der Stadt Kiel und unterstützt die angestrebte Vernetzung der
Hilfeangebote.
- KÄfA-Planung 2010
1) Bitte schon mal
notieren:
Die KÄfA-Jahreshauptversammlung findet im kommenden
Jahr am Mittwoch, 21. April 2010 Statt.
Geplant ist ein
offizieller Teil, zu dem alle Vereinsmitglieder eingeladen sind ab
19 Uhr sowie ein inoffizieller Veranstaltungsteil ab 20 Uhr mit
buntem Vortragsprogramm, zu dem wir öffentlich einladen möchten.
Ich würde mich freuen, wenn Sie alle in Ihrem Bekannten- und
Verwandtenkreis für diese Abendveranstaltung Werbung machen würden.
2) Eine der wichtigsten Aufgaben für das Jahr 2010 wird darin
bestehen, effektive Spendenwerbung zu betreiben. Der Verein brauch dringend
mehr finanzielle Mittel, um in unserer Projektregion helfen zu können.
Hierzu wird es zu Beginn des Jahres eine Vorstandssitzung geben, in der wir
ein Konzept entwickeln, dass dann über den nächsten Newsletter vorgestellt
wird.
3) Auch im Jahr 2010 wird es wieder eine Reisegruppe nach
Tansania geben, dieses Mal unter der Leitung von Herrn Dr. Stefan Völckers.
Interessenten für diese Reise sollten sich bei Herrn Völckers per E-Mail
melden. Fragen zu einer Afrika-Reise können auch jederzeit gerne an mich
gestellt werden.
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