Aktuelles

01.12.2015

Marangu 2014 - Famulaturbericht

Einführung:

Die Famulatur fand im Zeitraum vom 19. Februar bis zum 16 März statt. Hinflug war der 18. Februar und der Rückflug der 25. März.

Vorbereitung:
Insgesamt haben wir nicht lange im Voraus geplant. Wir haben uns gegen eine Malariaprophylaxe entschieden, da Marangu selbst auf einer Höhe liegt, welche die Wahrscheinlichkeit einer Infektion senkt. Empfohlen wird es allerdings und für  Ausflüge ist die Prophylaxe sehr empfehlenswert und wird von Kassen wie der Techniker zum Teil übernommen. Gegen Gelbfieber haben wir uns impfen lassen, da wir nach Sansibar weiter gereist sind und es dort bei der Ankunft kontrolliert wird. Andere Impfungen haben wir nicht gemacht.

Gut mitzubringen:
Sterilium (Sehr zu empfehlen!), Handschuhe sind vorhanden, Stethoskop, Kittel.

Reisezeit:
Februar, März. Im März geht die Regenzeit los. Es regnete nicht jeden Tag und wenn dann auch niemals den ganzen Tag. Marangu war sehr schön grün zu der Zeit. Bei vielen Touren, die man plant gibt es zu der Zeit reichlich Rabatte, da es Nebensaison ist und doch merklich weniger Touristen kommen. Man muss nicht lange im Voraus planen, da die Veranstalter sich auf die wenigen Touristen stürzen. Die Nationalparks und Strände sind nicht mit Touristen überlaufen und das Wetter zu unserer Zeit war trotzdem super! Der Nachteil dabei ist, dass man oft als einziger Weißer im Dorf auffällt und die Leute zu der Zeit teilweise kein Einkommen haben und somit auch die Gefahr der Überfälle steigt. Uns ist in der gesamten Zeit in Marangu nichts passiert und wir sind sogar hin und wieder im dunklen zurück nach Hause gegangen. Taxis und Motorradtaxen sind aber immer für wenig Geld verfügbar. Die Fahrer haben allerdings fast alle keinen Führerschein und sind  wenn es dunkel ist meist betrunken, insbesondere die Fahrer der Motorräder.

Grundsätzlich:
Das Krankenhaus verlangt 300 US $ pro Person für die geteilte Unterkunft. Wir haben zu zweit ein Haus bewohnt. Das Haus war schön gelegen mit 3 Schlafzimmern, Küche, Wohnzimmer, Garten. Alles sehr schön aber sehr teuer, wenn man überlegt, dass das Krankenhaus 600$ für einen Monat Miete für das Haus in Tanzania verlangt. Der Transport vom Flughafen war SEHR Teuer!! Taxi vom Flughafen ist billiger (kostet weniger als die Hälfte)! Allerdings war es ein sehr netter Transport. Wir wurden von 3 Angestellten abgeholt. Nette Gespräche, sehr gute Einführung! Die Krankenhausgebühren von 100 US$ waren unserer Meinung nach völlig ok. Im Gespräch mit anderen Kommilitonen wird eine Gebühr in ähnlicher Höhe in den meisten vergleichbaren Krankenhäusern verlangt. Zu unserer Zeit waren zwei weitere Famulantinen von der Universität Regensburg da. Marangu selbst ist ein sehr schönes nettes persönliches Dorf. Wir kannten nach einer kurzen Zeit den Barbesitzer unserer Stammkneipe persönlich, die Verkäuferin unseres kleinen Supermarktes, usw. Wir wurden öfter eingeladen oder sind mit den Ärzten noch ein Bier trinken gegangen. Langweilig war uns eigentlich nicht!

Aufbau Krankenhaus:
Wie schon vorher erwähnt ist das Krankenhaus klein. Dafür aber überschaubar und man bekommt ein breites Spektrum an Patienten zu sehen, da man über die gesamte Zeit auf allen Stationen mitläuft. Es gibt eine Männer, Frauen, Schwangere, Kinder Station. Zudem noch eine gesonderte Chirurgische Station neben dem OP-Saal. OP-Säle werden Theater genannt. Es gibt ein Minor und ein Major Theater. Das heißt ein Kleineingriffsraum und im Major Theater standen 2 OP Säle zur Verfügung. Während unserem Aufenthalt lief immer nur ein Saal zur Zeit.
Es gibt zudem Behandlungszimmer für die „Outpatients“, vergleichbar mit der Hausarztversorgung/ambulanten Versorgung in Deutschland. Getrennt in Diabetes, Innere, Chirurgische Sprechstunde. Aber auch Allgemeinmedizin.
An bestimmten Tagen der Woche gibt es zudem eine Sprechstunde für  HIV Patienten oder Tuberkulosepatienten.
Für die Diagnostik gibt es ein Röntgengerät, einen Ultraschall, ein Labor und ein EKG.

Ablauf der Famulatur:
Grundsätzlich Beginn 7:45 Uhr. Ende unterschiedlich aber selten länger als 14:00 Uhr. Die Arbeit ist grundsätzlich nicht zu anstrengend.

Tag 1 Famulatur: (Mittwoch)
Beginn 7:45, wie jeden Tag ging es los mit dem morgendlichen Gottesdienst. Der Gottesdienst dauerte in der Regel 15 Minuten. Danach wurde die Übergabe in der Kirche gemacht.
Wir wurden am ersten Tag von unserer Wohnung abgeholt, die Tage darauf sind wir dann zu Fuß gegangen, was kein Problem darstellte. Am ersten Tag haben wir den Chefarzt und weitere auf einer Beratungstour zu den Dispancaries begleitet. Dieses sind kleine Versorgungshäuser in abgelegenen Dörfern rund um Marangu. Meist ausgestattet mit ein oder zwei Betten, Blutdruckmessgerät und einer Hand voll Medikamente. Einmal im Quartal werden die Dispancaries von den Ärzten des Krankenhauses in Marangu medizinisch beraten Es war super um ein wenig das Land kennenzulernen und auch mal die doch sehr spärliche Versorgung des Landes rund um Marangu zu sehen. Am Ende des Tages haben wir bei einem Kaiserschnitt zu gesehen.

Tag 2 Famulatur: (Donnerstag)
Bei der Visite mitgelaufen. Es ist sehr interessant zu sehen wie die Ärzte alles klinisch diagnostizieren müssen. Danach haben wir im ambulanten OP bei Kurzeingriffen zu gesehen.

Tag 3 Famulatur: (Freitag)
An diesem Tag waren wir wieder im Kurzeingriff OP. Im Prinzip ist es ein wenig zu vergleichen mit der deutschen chirurgischen Notaufnahme.
Es werden diverse Katheter gelegt oder gewechselt, Frakturversorgung, Wundversorgungen.
Danach haben wir in der Sprechstunde EKGs geschrieben und befundet.

Am Wochenende haben wir dann einen Ausflug nach Moshi (die nächst größere Stadt) unternommen. Hier gibt es auch einen größeren Supermarkt, wo man alles kaufen kann.
Am Sonntag haben wir noch einen Ausflug zu einem Wasserfall unternommen.

Woche 2

Montag:
Der Montag beginnt grundsätzlich sehr langsam (Lazy Monday). Am Montag gibt es auch keine Übergabe, die sonst immer nach dem Gottesdienst in der Kirche stattfindet. Heute haben wir bei der Sprechstunde beigesessen für die oben erwähnten Outpatients und wieder ein paar EKGs geschrieben und befundet.

Dienstag:
Visite mitgelaufen, dabei eine riesige Ovarialzyste palpatorisch diagnostiziert. Die Diagnose haben wir sofort mit dem Ultraschall gesichert und eine Notfall-OP angesetzt. 

Mittwoch:
Wir haben in der Zahnklinik ausgeholfen. Es war ein Zahnscreening in einer Grundschule angesetzt. Wir haben jeder um die 100 Kinder nach Karies gescreent ohne viel Ahnung von Zahnmedizin zu haben. Wir wurden herzlich in der Schule Willkommen geheißen und es gab reichlich Tee und Essen.

Donnerstag:
Zuerst haben wir EKGs geschrieben und für die Ärzte ausgewertet. Dann haben wir bei HIV Sprechstunde zugesehen. Hier haben wir viel erklärt bekommen über Medikation, Tuberkulose-Screening, usw. Dann sind wir noch einmal in den OP für einen Kaiserschnitt gegangen.

Freitag:
Wieder einmal im OP beim Kaiserschnitt gewesen.
Dann für eine Zeit noch im Minor-Theater gewesen.
Am Abend sind wir noch einmal nach Moshi gefahren. Dort war eine große Bühnen und Bierstände wegen dem Moshi-Marathon aufgebaut.

Sonntag:
Wir wurden auf dem 75. Taufjubileum der Mutter von einem Freund des Krankenhauses eingeladen. Es war ein großes Fest. Wir saßen zuerst 3,5 Stunden in der Kirche. Nach der Kirche folgte ein großer Umzug mit Musik durch das Dorf Udo. Danach gab es ein großes Essen im Dorf.

Woche 3

Montag:
Montag ging wieder sehr langsam los. Wir haben zuerst bei der Versorgung der Outpatients zugeschaut. Danach fand im Kurzeingriff eine diabetische Wundversorgung statt, die in einer Daumenamputation endete. (Diabetische Wunden sind sehr oft im Krankenhaus!)

Dienstag:
Heut wieder Visite und Kurzeingriffe.

Mittwoch:
An diesem Tag war einfach nichts zu tun für uns im Krankenhaus.

Donnerstag:
Heute haben wir einen der Ärzte bei der Visite begleitet, er erklärt viel bei der Visite! Er verteilte jedem Aufgaben. Jeder sollte sich um einen Patienten kümmern. Einer sollte selbständig eine Wundreinigung durchführen, der andere alles für eine Extensionsbehandlung  vorbereiten, usw.
Danach haben wir bei einer Extensionsbehandlung assistiert. (Pin durch den Knochen bohren, um daran Gewichte für eine Traktion zu befestigen)

Wir haben uns dann von Freitag bis Montag frei genommen um eine Safari zu machen.

Woche 4:

Montag:
Kurze Visite. Outpatients. Minor Theater. Heute kamen 3 Tansanianische Studenten dazu. Also waren insgesamt 7 Famulanten in dem kleinen Krankenhaus! Viel zu viel für ein so kleines Haus! Heut gab es 2 Kaiserschnitte im OP, allerdings haben wir den inländischen Praktikanten den Vortritt gelassen.

Mittwoch:
Gab es mal wieder nichts zu tun

Donnerstag:
Wir sind einem der Ärzte gefolgt. Haben ihm wieder bei einer Extensionsbehandlung assistiert. Danach bei einer Untersuchung und Katheterisierung einer Schwangeren assistiert.

Freitag:
Assistenz bei einer Harnblasentumorentfernung und bei einem Kaiserschnitt.
Danach Einkauf mit einem der Ärzte für unsere Abschiedsparty am Samstag. Wir haben ein lebendes Schwein zum Schlachten und Grillen gekauft und genug Bier für alle.

Samstag fand dann unsere Abschiedsparty statt! Es waren zwar nicht alle aus dem Krankenhaus da aber viele und es war ein sehr netter letzter Abend.

Am Montag sind wir dann nach Dara Es Salaam mit dem Bus aufgebrochen um von dort nach Sansibar weiter zu reisen. Einer der Ärzte hat uns die Tickets für den Bus organisiert und uns morgens zum Bus gebracht um sich zu verabschieden.

Fazit:

Wir hatten wirklich eine schöne Zeit in Marangu. Wir wurden im Krankenhaus sehr nett aufgenommen und haben mit dem gesamten Personal eine menge Spaß gehabt!
Die ersten Wochen waren auch von der Ausbildung sehr interessant. Doch lässt der Lerneffekt nach 2-3 Wochen nach. Da auch zu der Zeit wenige OPs stattgefunden haben, war auch praktisch nicht viel zu tun. Allerdings ist es spannend zu sehen wie die Versorgung in einem Entwicklungsland von der in Deutschland abweicht. Man sieht Maßnahmen wie die Extensionsbehandlung, die man so in Deutschland selten sieht.
Auch sieht man immer wieder vor welchen Problemen ein solches Krankenhaus in Tansania steht, sei es finanziell oder organisatorisch. Hinzu kommt noch, dass Tansania ein wirklich schönes Land ist, in dem einen so die Möglichkeit geboten wird nicht nur Tourist zu sein, sondern es wirklich kennen zu lernen. Im Endeffekt hatten wir für die Dauer von 3,5 Wochen eine schöne und interessante Famulatur. Sicherlich ist es kein Haus, das für ein PJ-Tertial in frage kommen würde.



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