Aktuelles

10.01.2014

1. Famulatur Erfahrungsbericht Tansania-Moshi 2013


Zur Person:
Mein Name ist Julia. Ich bin Medizinstudentin an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Im Sommer 2013 beendete ich mein 4. Jahr, also mein 4. klinisches Semester.
Seit der Schule liebe ich es, ins Ausland zu reisen und in fremden Ländern Erfahrungen zu sammeln.
Für eine Famulatur (Praktikum im klinischen Teil des Medizinstudiums) interessierte mich ein afrikanisches Land, da ich gespannt darauf war, wie das medizinische System in einem Entwicklungsland funktioniert. Tansania bot sich an, da neben Swahili als Landessprache auch noch Englisch gesprochen wird.
Ich bin sehr froh, dass es geklappt hat!
Deshalb möchte ich ein bisschen über die Organisation des Aufenthalts, den Ablauf und meine Erfahrungen in einem völlig anderen Land und vor allem dem Mawenzi Regional Hospital in Moshi, Tansania berichten:

Vorbereitung:
Im Gegensatz zu einer Auslandsfamulatur im Rahmen einer Organisation oder beispielsweise des bvmd-Exchanges, organisierte ich Praktikumsplatz und Aufenthalt komplett selbstständig. Ich hatte das Glück eine Kommilitonin zu finden, die mitfahren wollte und so konnten wir uns gemeinsam um alles kümmern.
Über Herrn Prof. U. Kunzendorf, der ebenfalls schon einmal in Tansania gewesen ist, bekamen wir Kontakt zum Verein Kieler Ärzte für Afrika. Frau K. Roider half uns im Folgenden sehr bei der Organisation. Sie informierte uns über Krankenstationen und -häuser in Tansania, mit denen der Verein bereits Erfahrungen hatte, sowie anderen. Wir entschieden uns für das Mawenzi Regional Hospital, da es uns größenmäßig am besten zusagte. Das KCMC (Kilimanjaro Christian Medical Center), ebenfalls in Moshi, ist ein riesiges Universitätsklinikum. Dagegen ist das Marangu Hospital, etwas weiter nördlich am Fuße des Kilimanjaro, ein ganz kleines Krankenhaus.
Wir bekamen die Kontaktadresse von Herrn Prof. J. F. Shao aus Tansania. An ihn wendeten wir uns direkt, knapp 4 Monate vor Abreise, mit einer Bewerbung bestehend aus Bewerbungsschreiben, Lebenslauf und Motivationsschreiben. In kürzester Zeit bekamen wir eine positive Zusage.

Jetzt begann die Organisation im Konkreten:

Für eine Reise nach Tansania benötigt man einen noch mind. 6 Monate gültigen Reisepass. Falls man einen solchen nicht hat, muss man genug Zeit (ca. 4 Wochen) für die Erstellung einplanen.
Wichtig ist es auch, eine Auslandskrankenversicherung abzuschließen.
Danach ging es daran sich um Impfungen und Malariaprophylaxe zu kümmern, wozu wir eine Impfberatung am Reisemedizininstitut unserer Uniklinik besuchten. Obwohl Gelbfieberimpfungen in Tansania nur verlangt werden, wenn man aus einem Gelbfiebergebiet einreist, wollten sie von uns am Flughafen sofort den Nachweis einer Impfung sehen (möglicherweise, da wir in Äthiopien umgestiegen sind).
Ca. 3 Monate vor Abreise kümmerten wir uns per Email um mögliche Unterkünfte.
Die Flüge buchten wir gute 2 Monate vor Abreise über Lufthansa sowie Ethiopian Airlines von Hamburg über Frankfurt und Addis Abeba nach Kilimanjaro International Airport. Wir waren mit den Fluggesellschaften sehr zufrieden. Der Flughafen ist ca. 40 Min. von Moshi entfernt und viele Hostels bieten Shuttle-Services an.
Ein Visum für Tansania bekommt man relativ problemlos von der Botschaft in Berlin. Dazu muss man mindestens einen Monat vorher seinen Reisepass mit Passfotos, einer offiziellen Einladung der Gastinstitution (mit offiziellem Stempel!) und einem Scheck über 50 Euro einschicken. Alternativ kann man auch direkt bei Einreise am Zielflughafen ein Visum für 50 Euro oder Dollar erhalten.

Moshi, Tansania:
Tansania ist ein ostafrikanisches Land mit Küste zum indischen Ozean.
Die Stadt Moshi, mit ca. 150.000 Einwohnern liegt im Nordosten des Landes in der Nähe des höchsten Berges Afrikas, dem Kilimanjaro (siehe Foto). Dessen schneebedeckte Kuppe an einigen Tagen aus den Wolken hervorragt.
Die Straßen der Stadt sind in einer Art Schachbrettmuster angeordnet. Die Hauptstraßen sind asphaltiert; doch es gibt auch noch sehr viele Sandstraßen. Die meisten Häuser sind niedrig, aus Stein gebaut und entlang der viel befahrenen Straßen gelegen. In nahezu jedem Haus ist unten ein kleiner Laden, sei es für Elektrogeräte, Lebensmittel, Plastikwaren oder Stoffe mit einer Nähmaschine vor der Tür.
Die Straßen sind stets voll und anders als in anderen Teilen des Landes sieht man immer wieder weiße Touristen zwischen den Einheimischen.
Die Afrikaner sind überwiegend freundlich und hilfsbereit. Sehr anstrengend sind die vielen Guides, die einem ständig Safaris, Daytrips oder Souvenirs andrehen wollen und beleidigt sind, wenn man kein Interesse hat.
Das Klima ist stabil warm, sodass man kaum dicke Kleidung benötigt (es sei denn, man fährt in höher gelegene Gebiete).
Das Handy-Netz ist in großen Teilen des Landes und in ganz Moshi gut. Sim-Karten sind für wenig Geld an kleinen Ständen auf den Straßen zu erwerben.

Unterbringung:
Den größten Teil unseres Aufenthalts wohnten wir im Umoja Lutheran Hostel. Auf der Suche nach einer Unterkunft per Internet waren wir nur auf einen Blog dieses Hostels gestoßen, wo es einige Fotos, sonst aber wenig hilfreiche Informationen gab. Auf unsere Emails (auf englisch) antworteten sie meist innerhalb von wenigen Tagen.
Der Flughafen-Shuttle-Service funktionierte einwandfrei: nach Übermittelung unserer Flugdaten wurden wir von einem Fahrer empfangen, der ein Schild mit unserem Namen hochhielt, obwohl wir einige Verspätung hatten. Auch auf der Rückfahrt war der Taxifahrer pünktlich und ist gut gefahren.
Das Hostel an sich ist relativ zentral gelegen, sodass man alles in Moshi (außer das KCMC) gut zu Fuß erreichen kann. Es ist ein Straßenblock, der mit einer Mauer umgeben ist und am Eingang steht ein Wachmann. Man fühlt sich also sehr sicher. Es gibt mehrere einzelne Häuser (siehe Foto), in denen sich ausreichend eingerichtete Einzelzimmer, Doppelzimmer oder ganze Wohnungen befinden. Es gibt private Bäder oder gemischte Gemeinschafts-Bäder, die aber auch vollkommen ausreichen.
Alles ist sauber und ordentlich, sogar die Betten werden jeden Tag gemacht und man bekommt regelmäßig frische Handtücher.
In einem Frühstücksraum gibt es jeden Morgen von 7 bis 9 Uhr ein großes Büffet zur Selbstbedienung mit Toast, Marmelade, verschiedenen Eiern, frischem Obst, Säften, Tee, Kaffee und täglich einer einheimischen Spezialität.
Ein überdachter Außenbereich mit Tischen lädt zum Beisammensitzen am Abend ein.
Das Personal ist sehr zuvorkommend und nett, sodass ich mich wirklich heimisch fühlte.
Wir waren sehr zufrieden mit der Wahl der Unterkunft und können sie wirklich wärmstens weiterempfehlen! Selbst im Vergleich mit anderen Volunteer-Unterkünften kam uns unsere ideal vor!

Betreuung und Aufnahme:
Da ich nicht mit einer Organisation in Tansania gewesen bin, gab es kein Rahmenprogramm und keine wirklichen Kontaktpersonen für mich. Wir waren deshalb sehr froh, dass im Hostel alle so hilfsbereit waren und wir alle unsere Fragen stellen konnten.
Im Krankenhaus stellten wir uns 3 Tage vor Praktikumsbeginn vor und mussten da feststellen, dass keiner von unserem Kommen wusste. Der Chefarzt Dr. Rwezaura hieß uns dennoch herzlich willkommen und vermittelte uns gleich an den Verantwortlichen für Studenten und Praktikanten, Dr. Limo. Prof. Shao, über den wir an den Praktikumsplatz herangekommen waren, wusste aber Bescheid und suchte uns nach einigen Tagen im Krankenhaus auf. Er fragte, ob alles gut liefe und erklärte uns bereitwillig in einer Art Vortrag etwas über das medizinische System im Lande. Später lud er uns sogar noch auf ein Wochenende ein und zeigte uns hier andere Krankenhäuser und Krankenstationen in der Region.
Zudem hatten wir per Email Kontakt nach Deutschland zu Frau Roider, die sich mehrfach erkundigte ob es uns gut geht.
Wir mussten uns also nicht verloren vorkommen ;)
Mawenzi Regional Hospital, Moshi, Tansania
Das Krankenhaus liegt im Zentrum von Moshi. Es hat rund 300 Betten, von denen in der gesamten Zeit, in der wir dort waren, nur etwas über die Hälfte belegt waren.
Es besteht aus vielen kleinen Häusern, den einzelnen „wards“ (entspricht einer Krankenstation) mit gut gepflegten Grünanlagen dazwischen (siehe Foto). Es gibt jeweils eine Männer- und eine Frauenstation für Psychiatrie, Innere Medizin und Chirurgie, eine Pädiatrie, die gynäkologische Station mit Kreißsaal und Wöchnerinnenstation sowie viele Ambulanz-Sprechzimmer und das große CTC (Care and Treatment Center für HIV-Patienten).
Im Ambulanz-Bereich des Krankenhauses warten jeden Tag viele Patienten auf die unterschiedlichen Sprechstunden. Es gibt einmal die Woche eine Sprechstunde für Diabetes-Patienten, einmal eine für gynäkologische Probleme, eine für Dermatologie, eine für Hals-Nasen-Ohren und andere.
Ein OP befand sich zu unserer Zeit noch in Bau, soll aber noch 2013 eingeweiht werden.
Sowohl die Ärzte, als auch die Schwestern können alle sehr gutes Englisch und dokumentieren auch alles in dieser Sprache. Bei den Patienten ist das anders. Mit ihnen kann man sich nur auf Swahili oder mit Zeichensprache unterhalten.
Abgesehen von der Psychiatrie, der HNO und der Dermatologie habe ich eigentlich alle Teile des Krankenhauses gesehen und berichte im Folgenden:

-Gynäkologische Station mit Kreißsaal:
Dieser Bereich des Krankenhauses wurde für mich im Laufe der Zeit ein bisschen wie ein Zuhause. Es ist ein Gebäude-Komplex aus 3 Gebäuden. Eine Station ist für die Schwangeren. Zunächst musste man sich hier an die völlige Überfüllung gewöhnen: In den ca. 25 Betten lagen oft an die 70 Hochschwangere; also immer 2-3 Frauen pro Bett!
Durch eine Tür ging es in den Kreißsaalbereich, in dem es vier jeweils durch Plastikvorhänge voneinander getrennte Geburtsräume, einen Putzraum und einen Raum für die Neugeborenen gab.
Der dritte Bereich war bestimmt für die jungen Mütter oder andere gynäkologische Patientinnen. Vom Hinterhof ab ging ein kleiner Raum, in dem alle Praktikanten und Studentin ihre Sachen ablegen konnten.

Wir durften bei der Routine-Untersuchung der Schwangeren mithelfen bzw. diese quasi alleine durchführen. Dazu gehört ein Abtasten des Bauches, der Blick in die Augen um eine mögliche Anämie (Blutarmut) auszuschließen und das Abhören der fetalen Herztöne mit dem Pinard-Stethoskop. Für schwierige Fälle gab es teilweise sogar ein Doppler-Ultraschallgerät, mit dem die Blutströmungen in hörbare Signale umgewandelt werden konnten. Eine normale Ultraschalluntersuchung konnte nicht ohne Probleme durchgeführt werden, da das Ultraschallgerät des Krankenhauses lange Zeit nicht einsatzbereit gewesen ist. Eine Möglichkeit für vaginalen Ultraschall gibt es wohl gar nicht... Es besteht allerdings die Möglichkeit, dass die Patienten alleine in eine nahe Ultraschallpraxis (in Moshi) fahren, um sich dort untersuchen zu lassen. Hier wäre auf jeden Fall noch Verbesserungsbedarf!
Im Kreissaal (siehe Foto) konnten wir bei vielen Geburten zusehen und nach einiger Zeit auch assistieren. Diese laufen hier ohne viel Betreuung der Patientinnen ab. Wenn die 4 Kreißsaalbetten mal nicht ausreichen, wird einfach eine Matte in den Putzraum gelegt und dort die weiteren Patientinnen untergebracht.
Für die Betten gibt es grundsätzlich keine Bettwäsche oder ähnliches, sondern die Frauen bringen ihre Kangas (Stoffe, die sie sonst tragen) selber mit. Die durchbluteten Tücher werden danach in eine selbst mitgebrachte Plastikwanne getan und später im Hinterhof oder zu hause selbstständig gewaschen. Obwohl das nicht so hundertprozentig der Hygiene entspricht, scheint es mir eine gute Lösung, dass jede Frau saubere Wäsche hat.
Die Neugeborenen werden ebenfalls in ein solches Tuch eingewickelt und dann in das eine Babybett mit funktionierender Heizung gelegt. Dort liegen dann schon manchmal 2 oder 3 weitere Babys eng nebeneinander. Es wäre sicher sinnvoll ein weiteres Babybett anzuschaffen oder wenigstens bei dem anderen, mit einer abenteuerlichen elektrischen Stromversorgung, zu klären, woran es liegt, dass weder Licht noch Heizung funktionieren. Bändchen zur Erkennung der Babys werden nicht verwendet. Dafür reichen die unterschiedlich gemusterten Stoffe.
Den Vorsatz jeder Schwangeren nach der Geburt Oxytocin zu verabreichen wird sehr gut umgesetzt! Leider müssen die Glasbrechampullen mit den bloßen Fingern geöffnet werden, da es keine Tupfer gibt, die einen vor Glasbruch-Verletzungen schützen könnte.


Sehr erschrocken waren wir darüber, dass zur Reinigung der Mütter, gerade auch bei Dammschnitten selbst mitgebrachte Watte verwendet wird. Diese wird noch nicht einmal vorher desinfiziert.

Faszinierend war, dass alle Mütter gleich nach der Geburt oder der Naht des Dammschnittes zu Fuß auf die nächste Station liefen. Hier wäre in einigen Fällen ein Transportstuhl sinnvoll gewesen!
In Bezug auf die Hygiene wäre es in allen Abteilungen des Krankenhauses nützlich, Desinfektionsmittelspender zu haben. Ich glaube, wir haben im gesamten Krankenhaus genau zwei Ärztinnen gesehen, die Händedesinfektion durchführen.
Gerade in der gynäkologischen Station war es für mich erschreckend, dass Angestellte zunächst den Boden und Innenhof wischen und dann, ohne ihre Hände zu waschen, eine Geburt betreuen.
Gerade für die vaginale Tastuntersuchung werden in der Regel sterile Handschuhe verwendet (v.a., weil sie stabiler sind, als normale). Allerdings weiß nur ein kleiner Anteil der Angestellten, wie man sich sterile Handschuhe korrekt anzieht und was es bedeutet solche zu tragen (man darf nicht alles andere mehr anfassen!). Hier wäre eine Schulung sehr hilfreich!

Entsetzend waren die öfter vorkommenden Ausschabungen nach unvollständigem Abort. Sie wurden wenig einfühlsam und ohne jegliche Art von Schmerzmittel oder Beruhigung an den sich windenden Patienten durchgeführt.

-Gynäkologische Ambulanz:
Diese Sprechstunde findet einmal die Woche in einem kleinen Raum statt. Es kommen Frauen mit unterschiedlichsten gynäkologischen Problemen und werden recht gut aufgenommen. Es ist interessant die verschiedensten Krankheiten zu sehen. Außer einer oberflächlichen Untersuchung und einer Essigsäureprobe kann aber keine weitere Diagnostik betrieben werden. So muss größtenteils blind therapiert werden; nur in seltenen Fällen wird ans KCMC überwiesen.
-Pädiatrie:
Kinderstationen gibt es zwei im Mawenzi Regional Hospital. Ursprünglich wurden in der einen Infektions-Krankheiten und in der anderen alle weiteren Probleme behandelt. Diese Aufteilung wird aber nicht mehr eingehalten.
Während die Stationen morgens gereinigt werden, müssen (wie auch in allen anderen Stationen) alle Patienten nach draußen und können dann zur Untersuchung nacheinander wieder hineinkommen. Nur schwerkranke Patienten durften im Bett bleiben.
Zwei Ärztinnen untersuchten die Kinder. Die Körpertemperatur wurde dabei in der Regel mit einem Fieberthermometer gemessen (keine Desinfektion oder Einmalhüllen!). Nach der kurzen „Visite“ haben die Ärzte frei, solange es keine Neuaufnahmen gibt.
Bei neuen Aufnahmen scheint erst nur symptomatisch therapiert zu werden, da laut Aussagen der Ärzte das Labor am Nachmittag / Abend kaum Analysen macht. So wird dann mit der Diagnosefindung gerne mal bis zum nächsten Tag gewartet.

-Känguru-Station:
Damit wird eine Frühgeborenenstation bezeichnet. Sie ist in einem Gebäude in der Nähe des Kreißsaales untergebracht und erschien mir sehr gemütlich. Der Raum war gut beheizt und wirkte sehr heimelig, weil nur wenige Patienten dort waren, die letztendlich nur darauf warteten, dass ihre Babys das Mindestgewicht zur Entlassung erreichten.

-Innere Medizin:
Einen wichtigen Teil des Krankenhauses machten die beiden Innere-Medizin-Stationen „medical wards“ aus. Auf der Frauenstation (siehe Foto) erkannten wir, dass die häufigsten Erkrankungen Malaria, HIV und Tuberkulose sind. Unheimlich fand ich die Tatsache, dass die Tuberkulose-Patienten kräftig hustend zwischen den anderen Patienten lagen und nicht an Isolation oder besondere Hygieneregeln gedacht wurde!
Als Schutz vor Mückenstichen sah man überall vorbildlich die Moskitonetze hängen. Wenn man allerdings genauer hinsah, merkte man aber, dass diese häufig nicht genau über den Betten hingen und so wohl auch nachts nicht wirklich benutzt werden... Eine Malaria-Erkrankung wurde beim Auftreten typischer Symptome versucht mittels Labortest nachzuweisen. Selbst wenn das nicht gelang, wurde routinemäßig behandelt, ohne weiter nach anderen Ursachen für die Erkrankung zu suchen.
Obwohl sie mit ihren einfachen Methoden gerade die Malaria größtenteils gut behandeln konnten, fehlte es doch noch an Vielem:
Wir erlebten es mehrfach, dass es keine Thermometer auf den Stationen gab. An einigen Tagen mussten die Ärzte dann von Studenten ermutigt werden, bei einer Patientin mit Verdacht auf Hirnhautentzündung doch mal eine Temperatur zu bestimmen (Fieberthermometer musste von der Nachbarstation geliehen werden). Einige Praktikanten hatten glücklicherweise private Thermometer mit. Diese wurden dann bei einem Patienten nach dem anderen benutzt, ohne sie zwischendurch zu desinfizieren.

Es herrschte ebenfalls ein Mangel an Blutdruckmessgeräten bzw. intakten Stethoskopen. Ob das der Grund dafür war, dass bei Medikamenteneinstellungen gegen erhöhten Blutdruck nur ein oder evtl. zweimal am Tag der Blutdruck gemessen wurde, blieb leider offen.
Sätze der Ärzte wie „den auskultieren wir nicht, da habe ich gestern schon drauf gehört“ oder die Tatsache, dass auf das Anhängen der i.v.-Antibiose ohne Murren lange gewartet wird, erschreckte mich ebenfalls!

-Diabetes-Sprechstunde:
Diese findet einmal die Woche statt. Die Patienten kommen hauptsächlich, um ihre Medikamente abzuholen. Doch viele haben auch Komplikationen der Erkrankung. Nach einer Aufnahme durch die Schwestern mit Berechnung des aktuellen BMI und der Bestimmung des Blutzuckers untersuchte die Ärztin symptombezogen sorgfältig. Sie erklärte ausgesprochen viel und so war es ein besonders spannender Tag!

-Ophthalmologische Abteilung:
Die Tage in der Abteilung für Augenheilkunde fand ich ebenfalls ziemlich interessant, da man noch ausgeprägtere Krankheitsbilder als in Deutschland zu sehen bekam.
Die Ärzte gaben sich viel Mühe, waren aber enttäuscht darüber, dass sie vielen Patienten nicht wirklich weiterhelfen konnten. Es fehlt hier definitiv die Möglichkeit den Augeninnendruck zu bestimmen und eine Ophthalmoskopie durchzuführen. Für diese beiden grundlegenden ophthalmologischen Untersuchungen müssen die Patienten in das Uniklinikum KCMC überwiesen werden.
Gut behandelt werden konnten Fremdkörper im Auge, jegliche Entzündungen sowie Myopien. Es gab eine eigene Werkstatt, in der Brillengläser direkt geschliffen werden. So erhalten die Patienten sofort ihre Brille.

-Chirurgische Station:
Der Name dieser Station ist eigentlich komplett irreführend, da es während unseres Aufenthalts noch keinen OP im Mawenzi Regional Hospital gab.
Auf der Frauen- und Männerstation lagen allerdings Patienten, die in Deutschland chirurgisch versorgt werden würden. Es gab viele Verkehrsunfall-Opfer mit ausgeprägten Verbrennungen oder Brüchen. Beides wurde hier konservativ mit Reinigung bzw. Schienung und vor allem „Abwarten“ therapiert.
Die Station fand ich insofern nicht besonders abwechslungsreich, als dass die Patienten wochenlang dort lagen und sich ihr Zustand kaum verändert hat.
Doch es gab auch akute Fälle, wie beispielsweise einen Schlangenbiss: Es war faszinierend so etwas Exotisches zu sehen und vor allem witzig dem Arzt zu erklären, dass es in Deutschland so gut wie nie Bisse von giftigen Schlangen gibt.
Dass bei einer akuten Hodenschwellung mit plötzlich einsetzenden Schmerzen lange gewartet wird, bis Diagnostik betrieben wird, fand ich traurig mit anzusehen.

-CTC = Care and Treatment Center:
Diese Einrichtung ist einzig und allein für HIV-Patienten geschaffen.
In einem kirchen-artigen Raum finden sich jeden morgen an die 100 Patienten ein. Sie kommen nach Diagnosestellung ca. monatlich um ihre Medikamente abzuholen. Ein oder zwei Ärzte kümmern sich um sie und so hat man ein bisschen den Gedanken an Fließbandarbeit. Die lange Wartezeit ist für die Patienten sicher anstrengend, sodass wir vorgeschlagen haben sie gestaffelt kommen zu lassen. Das ist allerdings nicht möglich, da jeden Morgen eine kleine Schulung für sie stattfindet und diese sonst oft wiederholt werden müsste.
Besonders beeindruckend fand ich die hohe Anzahl der Patienten und die Tatsache, dass fast 75% Frauen waren!
-Apotheke:
In diese bekamen wir auf Nachfrage einen kleinen Einblick. Es gab ein Lager mit vielen wichtigen Medikamenten. Es gab viele HIV-Medikamente, einige basale Antibiotika in großen Mengen und sonst aus jeder Stoffklasse ein oder zwei Medikamente.
Leider konnten wir die Bestände schlecht vergleichen, aber uns fielen einige leere Regale auf.
Unterstützungsmöglichkeiten für Famulanten oder den Verein:
-Fieberthermometer
-Blutdruckmessgeräte
-Stethoskope
-Tupfer zum Aufbrechen von Glas-Brechampullen und zum Abtupfen nach Blutentnahme
-Pflaster-Streifen in verschiedenen Breiten (die sich leicht reißen lassen)
-CRP-Schnelltests
-Händedesinfektionsmittel und Hygiene-Kurse
-sterile-Handschuhe-Anziehen-Kurs
-EKG-Gerät
-Rollstühle oder andere Transportstühle für die Gyn.
Freizeit:
Um neben der Arbeit im Krankenhaus auch sonst noch etwas vom Land kennenzulernen, hatten wir entschieden, 6 Wochen zu bleiben, aber nur 4 Wochen Praktikum zu machen. Eine Woche vor Praktikumsbeginn anzureisen war letztendlich zu lange, da man in Moshi selbst nicht so viel sehen kann. Doch ich empfehle auf jeden Fall 3 Tage vorher anzureisen, um sich im Krankenhaus vorzustellen und vorhwe wenigstens etwas von dem Leben in Afrika praktisch kennenzulernen. In Moshi gefielen mir besonders die verschiedenen Märkte gut!

Am Nachmittag hatten wir nach dem Praktikum meist noch ein paar Stunden Zeit, bis die Sonne untergegangen war (ca. 18:30; aus Vorsicht verließen wir unsere Unterkunft im Dunkeln nicht mehr). Oft war ich aber durch das Wetter und die vielen Eindrücke sehr erschöpft und konnte nicht mehr so viel machen.
Als Tagesausflüge für die Wochenenden kann man das „Marangu-Gate“, einen Einstiegspunkt zum Kilimanjaro, besuchen. Es gibt in der Nähe Wasserfälle, die erwandert werden können. Die „Hot Springs“ sind sehenswert und hier kann man auch ohne Probleme baden. Außerdem gibt es noch den „Lake Chala“ an der Grenze zu Kenia, der wirklich empfehlenswert ist (festes Schuhwerk!).
Typisch für Afrika sind natürlich auch die Safaris. Hierfür gibt es hunderte von Unternehmen in der Stadt. Wir waren unterwegs mit den Kiliclimbers. Über diese Organisation hatten wir schon sehr gute, als auch nicht so gute Berichte gehört, waren aber selbst sehr angetan! Es ist das günstigste Unternehmen, das wir finden konnten und war noch immer sehr teuer...
Zum Schluss waren wir noch ein paar Tage in Tanga an der Küste. Die Stadt fand ich ziemlich langweilig. Viel eindrucksvoller war das kleine Dorf Pangani, ca. 2 Stunden mit dem Daladala (kleiner, immer überfüllter Bus) entfernt. Es ist ein kleiner, verschlafener Ort direkt am Wasser.

Kosten:
-Impfungen & Malariaprophylaxe in Abhängigkeit von der Kostenübernahme durch die Krankenkasse bis zu mehreren hundert Euro
-Visum 50 € bzw. 50 Dollar
-Hin- und Rückflug: ca. 750 € pro Person
-Airport-Shuttle: 70.000 Tsh (für 2 Personen) = ca. 30 €
-Unterkunft im Umoja: 10-20.000 Tsh pro Person pro Nacht inkl. Frühstück = ca. 5-10 €
-Busfahrt nach Arusha: 2500 Tsh (ca. 1,20 €)
-Safaris ab 120 Dollar pro Tag

Fazit:
Obwohl ich meiner Reise mit ordentlichem Respekt gegenüber gestanden habe, bin ich sehr froh, dass ich mich getraut habe. Es war eine einzigartige Erfahrung!
Ich war glücklich eine Freundin dabei gehabt zu haben. So konnte ich manche Situationen besser überblicken und mich über alle Erfahrungen direkt mit ihr austauschen.
Ich fand es spannend ein so fremdes Land Stück für Stück zu erobern.
Die Erfahrungen im medizinischen Bereich bringen einem eher Wenig, was man in Deutschland anwenden kann, doch ich habe sehr eindrucksvoll erfahren, welche anderen Probleme es geben kann und dass auch mit Wenigem einiges erreicht werden kann. Ich weiß das deutsche Gesundheitssystem nach meinem Aufenthalt in Tansania viel mehr zu schätzen.
Ich werde die sechs Wochen nie vergessen und kann jedem nur wärmstens empfehlen eine solche Famulatur zu wagen!!



Spendenkonto

Ärzte und Apothekerbank
IBAN: DE14300606010007082264
BIC: DAAEDEDDXXX


Navigation


Spenden Sie und werden Sie aktiv!