Aktuelles

15.08.2010

KÄfA-Newsletter II-2010

In der Geschichte der Menschheit hat es schon immer Katastrophen in großer Zahl gegeben, aber noch nie zuvor ist uns das so bewusst gewesen wie in unserer modernen medialen Welt, in der Informationen von jedem noch so fernen und entlegenen Ort innerhalb

Liebe KÄfA-Mitglieder,

in der Geschichte der Menschheit hat es schon immer Katastrophen in großer Zahl gegeben, aber noch nie zuvor ist uns das so bewusst gewesen wie in unserer modernen medialen Welt, in der Informationen von jedem noch so fernen und entlegenen Ort innerhalb von Sekunden um den Erdball rasen. Getötete Ärzte in Afghanistan, Massensterben der Seetiere im Golf von Mexiko, Flutkatastrophen in China, Pakistan und im deutsch-polnischen Grenzgebiet, ein verbrennendes Russland, eine zur Steinigung verurteilte „Ehebrecherin“ im Iran… Nicht die Anzahl der Katastrophen verändert sich sondern unsere Wahrnehmung. Das ist schwer zu ertragen, aber es ist doch heilsam, weil wir Menschen uns unserer Existenz in einer fragilen Umwelt und unserer Zusammengehörigkeit auf diesem schönen Planeten bewusst werden.

Es gibt in jedem Land der Erde und auf jedem Kontinent eine Unzahl von Problemen, die wir Menschen zu lösen haben. Aber es gibt keinen Kontinent, auf dem die Probleme vergleichbar groß sind wie in Afrika. Sämtliche Industrienationen der Erde, allen voran China, Amerika und die EU beuten den Kontinent mit ihrem Wirtschaftskolonialismus konsequent und mit einer bisher nie dagewesenen Gründlichkeit aus. Der Klimawandel schlägt außer an den Polen an keiner Stelle unseres Planeten so unerbittlich zu, wie in den äquatorialen Regionen Afrikas. Während die Bevölkerungszahlen in den reichen Regionen des Nordens und sogar in China stagnieren oder sinken, wächst die Bevölkerung in Afrika ungebremst und wird von heute 1 Milliarde auf 2 Milliarden Menschen im Jahr 2050 anwachsen.

Aber es gibt auch eine andere Sichtweise auf Afrika, die zu selten gesehen wird. Afrika ist der letzte Fleck auf unserem Planeten, auf dem es (noch) intakte Ökosysteme mit riesigen Herden von Großsäugetieren gibt. In einer Zukunft, in der sämtliche dem Menschen zum Verbrauch zur Verfügung stehende Energie von der Sonne kommt, gibt es keine energiereichere Gegend auf der Erde als Afrika. Während alle Industrienationen der Erde in den nächsten 70 Jahren eine Demographie durchlaufen werden, in der es deutlich mehr 60-jährige als 30-jährige Menschen gibt, wird Afrika der einzige „junge Kontinent“ unserer Erde sein.

Als „Welt-Unternehmer“ würde ich heute sagen: Wir sollten in Afrika investieren!
An dieser Stelle setzt unser Verein „Kieler Ärzte für Afrika“ an. Genau hier wollen wir anfangen zu investieren, damit kommende Generationen die Früchte ernten können.
Ich wünsche Ihnen viel Freude beim Lesen und weise bereits an dieser Stelle darauf hin, dass ich dieser Tage mit den Vorbereitungen für die nächste Reise nach Tansania im Oktober 2011 beginne. Ich hoffe, dass möglichst viele von Ihnen Zeit und Lust haben, an dieser Reise teilzunehmen, um Afrika auf einzigartige Weise kennen zu lernen. Jeder Interessierte ist eingeladen mit zu kommen!

Ihr
Martin Völckers

>> PDF-Download des Newsletters

Inhalt:

  1. Mitgliederversammlung am 21. April 2010 in Heikendorf
  2. Besuch aus der Ost-Kilimanjaro-Region in Kiel im Juni 2010
  3. Spendenaktion unseres Vereinsmitglieds Dr. Joachim Stange aus
  4. Neue Entwicklungen in Marangu
  5. Vorstellung: Die Dispensary in Ucira
  6. Planungsbeginn für die nächste KÄfA-Reise nach Tansania im Oktober 2011

1. Mitgliederversammlung am 21. April 2010 in Heikendorf

Am 21. April fand in den Räumen der Kirche in Heikendorf die diesjährige Mitgliederversammlung statt. Auf der Tagesordnung standen in diesem Jahr neben dem Bericht des Vorstands, dem Bericht des Kassenprüfers sowie der Entlastung des Vorstands die Neuwahl des Vorstands für die kommenden zwei Jahre. Helmut Krieg als bisheriger 2. Vorsitzender schied auf eigenen Wunsch aus dem Vorstand aus. Dafür wurde Frau Karin Roider als neue 2. Vorsitzende gewählt. Die Herren Joachim Bauer (Finanzvorstand) und Dr. Martin Völckers (1. Vorsitzender) wurden in ihren Funktionen für die nächsten 2 Jahre wiedergewählt.
Bei der Wahl des Kassenprüfers wurde Herr Volker Henkel für das kommende Geschäftsjähr wiedergewählt.
Im Anschluss an die Mitgliederversammlung fand ein gut besuchter öffentlicher Diavortrag über die KÄfA-Projektregion am Ost-Kilimanjaro statt. Gezeigt wurden größtenteils Bilder von der letzten KÄfA-Reise im Oktober 2009.

2. Besuch aus der Ost-Kilimanjaro-Region in Kiel im Juni 2010

Im Juni hatte der KÄfA-Vorstand Besuch von zwei afrikanischen Reisegruppen aus der Ost-Kilimanjaro-Region. Die eine Gruppe wurde angeführt vom Probst des Ost-Kilimanjaro-Distriktes Dean Pastor Kyessi, begleitet vom Geschäftsführer des Kirchenkreises Loveland Makundi, eines weiteren Pastors aus der Ostkilimanjaro-Region sowie von Mr. Lawrence Lyimo aus Uuwo. Mr. Lawrence Lyimo ist der vom KÄfA eingesetzte Business-Manager der Dispensary in Uuwo und einer der wichtigsten Kontaktkpersonen des KÄfA vor Ort.
Die zweite Besuchsgruppe wurde angeführt von Herrn Gilbert Towo aus Uuwo. Er kam mit 4 Lehrern von unterschiedlichen Grunschulen der Ost-Kilimanjaro-Region nach Deutschland. So wie der KÄfA sich um die Entwicklung des medizinischen Angebotes beschäftigt, arbeitet der Verein „Elimu e.V.“ aus Kiel mit dem Aufbau und der Weiterentwicklung von Schulen in der Ost-Kilimanjaro-Region.

3. Spendenaktion unseres Vereinsmitgliedes Dr. Joachim Stange aus Minden

Unser Vereinsmitglied Dr. Joachim Stange, niedergelassener Hautarzt in Minden und seine Frau haben anlässlich ihrer Geburtstagsfeier zu einer Spendenaktion für den KÄfA aufgerufen. Zusammengekommen sind insgesamt 3.100,- Euro ! Mit diesem Geld ist auf einen Schlag die Rest-Finanzierung des neuen Chirurgen in Marangu (siehe nächstes Thema) bis Ende 2011 gesichert. Im Namen des gesamten Vereins möchte ich mich für diese großartige Spende herzlich bedanken !

4. Neue Entwicklungen in Marangu

Im März dieses Jahres hat der KÄfA mit der finanziellen Unterstützung des Krankenhauses in Marangu begonnen (siehe KÄfA-Newsletter I-2010). Das Geld (monatlich 550,- Euro) wird für die Anstellung eines Facharztes für Chirurgie verwendet. Seitdem Dr. Kimario die chirurgische Abteilung in Marangu aufleben lässt, geht es mit dem Krankenhaus am Kilimanjaro stetig bergauf. Die E-Mails von Dr. John Lauwo, unserer Kontaktperson vor Ort, sprechen für sich:

15. März 2010
Dearest Martin
greetings to you. here we are doing well. we have managed to get a surgeon, he has fiinished masters in KCMC two yrs ago. formerly he was working at Karatu hospital as a surgeon. so he will be with us. we very happy to get him. we hope that he will help our hospital a lot
asante
Dr lauwo john


18. März 2010
Dearest Dr Martin
many warm greetings from Marangu. our new surgeon is a hard worker. today he has done two mojour operations TAH and appendicectomy. he is capable to do most of genaral abdominal surgery including also thyroidectomy and craniotomy
we hope things will be good
thanks Lauwo


18. April 2010
Dearest dr Martin
happy Easter we are doing well
we have offer of Gynaecologist for six weeks Dr Meyer a Germany doktor who came here for working for short time. he was so much impressed with the work of new surgeon in the short time number of operation cases rised up mostly TAH, APPENDICECTOMIES, ECTOPIC PREGNANCIES , PROSTATECTOMY & KAISER SECTION s Now we are thinking to training anaethetist and more operating theater staff for more procedures this is real very help full to our hospital we wish you all the best
dr. john lauwo


1. Juni 2010
Dearest dr Martin
many warm greetings to you
here we are doing well here i send you a short report of surgical cases done by our surgeon from March to May 2010
cesarean- section 20
Appendicectomy 5
Hernioraphy 3
Bilateral tube ligation 4
laparatomy 2
Prostatectomy 1
Hydrocelectomy 4
bone surgery 4
This is short report of our hospital we are facing shortage of tonsilectomy try and craniotomy set Dr lauwo john


15. August 2010
Dearest Dr Martin
greetings from Marangu
Our hospital is growing well increasing bed state up to 50 and every day having surgical procedures we have established clinic for surgery which is Wednesday where by we make plans for big operation and follow up for post operative cases is real good i think the idea of having general surgeon in the rural place is great
Greetings from Surgeon Dr Kimario if you’re having time, please mail to him via my e mail to support
Dr lauwo john

5. Vorstellung: Der Ort Ucira und seine Dispensary

Auf der schematischen Landkarte der Ost-Kilimanjaro-Region befindet sich das Dorf Ucira am Fuße des Kilimanjaro direkt an der vielbefahrenen Straße von Moshi nach Himo. Gemäß seiner Lage am Fuße des Berges ist das Klima in Ucira heiß und trocken. Es regnet nur selten, und das Dorf ist abhängig vom Wasser des Kilimanjaro, das früher in ausreichender Menge die Flusstäler hinunterlief und so die Äcker der Bauern bewässerte. Mit dem Ausbleiben der Regenfälle in den vergangenen Jahren hat sich die Trockenheit in Ucira dramatisch verstärkt, so dass immer häufiger Ernten ausbleiben und die Armut im Dorf rasch zunimmt.

Das Dorfzentrum in Ucira – die
Kirche

Abb 1: Das Dorfzentrum in Ucira – die Kirche

Den Dorfmittelpunkt bildet die Kirche und das mit Mitteln der Partnergemeinde Schönkirchen neu erbaute Pfarr- und Gemeindehaus sowie der hieran angeschlossene Kindergarten.

Der Kindergarten von Ucira

Abb 2: Der Kindergarten von Ucira

Das Dorfbild ist geprägt von der Trockenheit. Der rote Vulkanerde-Boden ist verbrannt und der Staub legt sich auf die Haut und macht das Atmen schwer. Zwischen kargen, laubfreien Bäumen stehen ärmliche Häuser verteilt. Und überall sieht man Kinder zwischen den dornigen Hecken spielen.

Das Dorfbild ist geprägt von der
Trockenheit

Abb 3: Das Dorfbild ist geprägt von der Trockenheit

Inmitten von Ucira steht die hiesige Dispensary. Die beiden Gebäude wurden um das Jahr 1960 herum gebaut und sind stark baufällig. Der 65-jährige Daktari arbeitet hier mit zwei Schwestern auf völlig verlorenem Posten. In der Regel reicht das Geld, das die Dispensary einnimmt, nicht einmal aus, um dem Daktari sein spärliches Gehalt von knapp 200,- Euro im Monat zu bezahlen. Dann bekommt er Geld von seinen drei Söhnen, von denen er stolz erzählt. Alle drei hätten eine gute Ausbildung erhalten und würden heute Geld verdienen.

Die Dispensary von Ucira

Abb 4: Die Dispensary von Ucira

Ucira befindet sich seit 2007 in einer Kirchengemeindepartnerschaft mit Schönkirchen (Neumühlen-Dietrichsdorf). Im Jahr 2007 war auch erstmals eine kleine Delegation aus Schönkirchen für 2 Wochen zu Besuch. Unser Vereinsmitglied Dr. Karsten Henkel, der bis vor kurzem in der Schmerzklinik Kiel in Dietrichsdorf (unter der Leitung unseres Vereinsmitgliedes Prof. Göbel) gearbeitet hat und Mitglied der Tansaniagruppe in Schönkirchen war, wird sich auch von seinem neuen Wohnort Aachen aus, weiter um die Entwicklung der Dispensary in Ucira kümmern. Geplant ist zur Zeit der Aufbau einer kleinen Apotheke. Die Anschubfinanzierung soll mit Mitteln der Tansaniagruppe Schönkirchen erfolgen.

Im Rahmen unserer nächsten KÄfA-Reise nach Tansania im Oktober 2011 (siehe nächstes Thema), ist erstmals auch ein längerer Besuch der Dispensary in Ucira geplant. Es wird darum gehen, gemeinsam mit dem Daktari und den Verantwortlichen im Dorf zu planen, wie der Aufbau der Dispensary mit Mitteln des KÄfA aber auch mit Mitteln der Kirchengemeinde in Schönkirchen unterstützt werden kann. Auch der teilweise oder komplette Neubau der Dispensary in Ucira mit Mitteln aus Lotto-Bingo soll erwogen werden. Hier wäre es schön, wenn sich interessierte KÄfA-Mitglieder melden, um sich speziell mit dem Aufbau der Ucira-Dispensary zu beschäftigen.

Der Daktari von
Ucira bei einer Malaria-Patientin

Abb 5: Der Daktari von Ucira bei einer Malaria-Patientin

6. Planungsbeginn für die nächste KÄfA-Reise nach Tansania im Oktober 2011

Die nächste KÄfA-Reise nach Tansania wird im Oktober 2011 stattfinden. Die genaue Reisezeit steht noch nicht fest, wird sich aber voraussichtlich an den Herbstferien orientieren (die ebenfalls noch nicht feststehen).
Maximal möglich sind 5 Projekte, für die sich ab sofort alle Interessierten (Mitglieder und Nicht-Mitglieder) bei mir melden können. Ich würde mich freuen, wenn wir davon einiges realisieren könnten.

  1. Besuch des KCMC Moshi durch eine Delegation des UKSH Campus Kiel (Wohnort Moshi)
  2. Medizinischer Einsatz im Krankenhaus in Marangu (Wohnort Marangu)
  3. Modellprojekt „Frauengesundheit“ zwischen der Abteilung Gynäkologie des KCMC Moshi und der Dispensary in Uuwo (Wohnorte Uuwo und Moshi)
  4. Projekt Dispensary-Aufbau in Ucira (Wohnort Ucira)
  5. Projekt Dispensary-Aufbau in Shokoni (Wohnort Shokoni)

Die Reise wird vollständig vom KÄfA-Vorstand geplant und koordiniert, wobei die Reisezeit und -dauer sowie von jedem Teilnehmer individuell bestimmt werden kann. Auch Familienmitglieder sind herzlich willkommen. Und natürlich besteht auch bei dieser Reise für alle Reiseteilnehmer im Anschluss an die Projektarbeit wieder die Möglichkeit einer mehrtägigen Safari in die Serengeti.
Wie in jedem Jahr müssen die Reiseteilnehmer ihre Reise vollständig selber bezahlen.

Hierzu ein Überblick:

  • Die Kosten für den Flug nach Tansania liegen bei 1.000,- Euro pro Person (z.B. mit KLM von HH via Amsterdam nach Kilimanjaro Airport)
  • In den Dörfern (Uuwo, Shokoni, Ucira) werden wir kostenfrei bei Privatfamilien untergebracht und versorgt. Hier sollten pro Tag ca. 5 Euro pro Person als Abschiedsgeschenk eingeplant werden.
  • In Marangu werden wir kostenfrei in einem der Klinik angeschlossenen Wohnpavillons untergebracht
  • In Moshi werden wir im Hotel für ca. 30 Euro pro Person pro Nacht untergebracht
  • Die gesamte PKW-Logistik während unseres Aufenthaltes wird von unserer Kontaktperson Mr. Gilbert Towo aus Uuwo übernommen. Hier werden je nach Umfang der Reise und PKW-Bedarf anteilig ca. 50-100 Euro fällig (geschätzt)
  • Die Kosten für die Safari hängen natürlich vom Umfang der Reise ab. Eine 6-tägige Safari mit dem Jeep entlang dem Rift Valley zum Lake Natron und anschließend von Norden durch die gesamte Serengeti und durch den Ngorongoro-Krater kostet alles inklusive ca. 1.000,- Euro pro Person

Bei Interesse schreiben Sie eine kurze Mail an mich: m.voelckers@kielnet.net. Ich werde mich dann umgehend mit Ihnen in Verbindung setzen.



Spendenkonto

Ärzte und Apothekerbank
IBAN: DE14300606010007082264
BIC: DAAEDEDDXXX


Navigation


Spenden Sie und werden Sie aktiv!